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Statik/statisch

Statik (von altgriech. „statike“ (techne) = (Kunst des) Wägens, „statikos“ = zum Stillstand bringend) bezeichnet allgemein Ruhendes oder Unbewegliches sowie die physikalischen und bautechnischen Mechanismen, die zum Ruhen der Kräfte führen. Das enstsprechende Adjektiv steht darüber hinaus für eine gewisse Unbeweglichkeit im Leben, und in gestalterischen Fragen für einen ruhenden, ja starren Zustand (im Gegensatz zu flexibel, beweglich, dynamisch). Negativ kann damit eine spannungslose, uninspirierte Komposition beschrieben werden, positiv eine in sich ruhende Zusammenfügung von Elementen zu einer ausdrucksstarken (monumentalen) Einheit.

Starck, Philippe

Der Franzose Philippe Starck (*18. Januar 1949 in Paris) ist der derzeit vielleicht bekannteste Designer. Seine Arbeiten umfassen ein weites Feld vom Interior Design ĂĽber Produkt- und Fooddesign bis zur Architektur. Starck studierte an der Pariser École Nissim de Camondo, grĂĽndete 1968 eine Firma fĂĽr aufblasbare Objekte und war 1971 – 72 als Art Director fĂĽr Pierre Cardin tätig. Die von ihm gestalteten Nachtclubs La Main Bleue (1976) und Les Bain-Douches (1978) begrĂĽndeten seinen Ruf als Trendsetter. 1980 grĂĽndete er das Produktions- und Marketingstudio Starck Product. Die Ausstattung des CafĂ© Costes (1981) und die von Staatspräsident François Mitterrand in Auftrag gegebene Inneneinrichtung des ÉlysĂ©e-Palasts (1983) sind prominente Beispiele fĂĽr das sich in Frankreich vorzĂĽglich im Einrichtungsbereich manifestierende Neue Design. Viele der in den 80er- und 90er-Jahren entstandenen EntwĂĽrfe von Alltagsgegenständen und Accessoires — unter anderem fĂĽr Thomson und Alessi — erzielten aufgrund einer betont emotionalen und postmodern inspirierten Produktsprache eine hohe Popularität. Seine undogmatische Vorstellung von einem demokratischen, d.h. erschwinglichen und damit massenkulturell wirksamen Design fĂĽhrte u.a. zu Produktserien fĂĽr Kaufhausketten. Gleichzeitig entwarf er das Interior Design fĂĽr eine Reihe von Luxushotels, die — angefangen mit dem Royalton (1988) und dem Paramount (1990) in New York — fĂĽr die Entstehung eines neuen Hotelimage bestimmend waren. In den 90er-Jahren ĂĽberrascht er durch klassische und ironische Formen in ungewohnten Materialkombinationen, etwa durch im Spritzgussverfahren gefertigte Kunststoff- Sitzmöbel oder einen Hocker in Form eines Gartenzwergs. Starck macht sich selbst zum Objekt, wie etwa in der von ihm selbst gestalteten Retrospektive im Pariser Centre Georges Pompidou (2003). Selbstinszenierung und Selbstdemontage erscheinen in den Arbeiten Philippe Starcks als Einheit, da sie die WidersprĂĽchlichkeit selbst immer wieder thematisieren. So vereinen sich in seinen jĂĽngst fĂĽr Flos entwickelten Leuchten „Collection Guns“ und „Collection La Vie“ Konsumkritik und -lust, Moral und Ironie zum vorgefertigten Kultobjekt. www.starck.com

Spannung/spannend

In der Physik bezeichnet Spannung eine Kraft im Innern eines elastischen Körpers. Im Design gilt dasselbe, nur dass der Körper meistens nicht elastisch ist und die Kraft sich nicht als physikalische, sondern als visuelle und emotionale Energie entfaltet. Spannung wird durch Polarisierung oder Hierarchisierung erzielt und trägt dazu bei, ein Objekt begehrenswert und langfristig attraktiv zu machen.

skulptural

Eine Skulptur ist ein plastischer, dreidimensionaler Körper, meist mit künstlerischem Anspruch, der seine Wirkung dadurch entfaltet, dass er aus mehreren Perspektiven formale und häufig symbolische Ausdruckskraft besitzt und sich von seiner Umgebung deutlich abhebt. Ein skulpturales Designelement entwickelt eine eigene, selbstständige Aussage, indem es sich aus seiner Umgebung löst und die Raumwahrnehmung nachhaltig beeinflusst. In diesem Sinne sind skulpturale Elemente die Gegenspieler zu den „architektonischen“ zu verstehen und einzusetzen.

selbsterklärend

Wenn ein Design selbsterklärend ist, ist keine Erklärung notwendig; das Produkt „spricht“ für sich selbst, d.h. seine Zeichenfunktion und Ergonomie sind so gelungen, dass sich die Bedienung, der Verwendungszweck oder die Integration des Produkts in einen bestimmten (ästhetischen oder funktionalen) Kontext intuitiv erschließen.

rustikal

Die traditionelle Bedeutung ist „ländlich“, „schlicht“, „bäurisch“. Im Design werden rustikale Stilelemente gerne zitathaft verwandt, um eine traditionelle Formgebung zu betonen und gleichzeitig einen Verfremdungseffekt zu erzielen. Dabei werden einzelne konstruktive oder rein dekorative Formelemente sowie Oberflächen größer oder grober ausgeführt, als es notwendig oder technisch machbar wäre, um einen ursprünglichen, handwerklich anmutenden Charakter zu erzielen. Aus dem gleichen Grund werden natürliche Materialien wie Holz (oder deren Imitationen) verwandt. Als Stilebene verweist ein rustikales, ländlich anmutendes Design auf das Ideal eines „einfachen Lebens“.

retro

Retro (von lat. „retro“ = rückwärts) ist ein Trendphänomen bzw. ein kulturelles Phänomen der Neuzeit, bei dem kulturelle Erinnerungsstücke zurückliegender Jahrzehnte vom Alltagsgegenstand bis zum Musikstück auf unterschiedliche Weise wieder aufgenommen und neu verarbeitet werden. Da es sich eher um ein Stilprinzip als um einen speziellen Stil (etwa den der 70er-Jahre) handelt, ist ein Retro-Stil nicht an eine bestimmte Epoche gebunden. Im Design äußert sich dies durch formale Anlehnung an traditionelle Vorbilder, ohne dass sich der Designer dabei an das Original gebunden fühlt. Auch wenn es im Retro-Design durchaus nostalgische Anklänge gibt, so steht doch das Interesse an formaler Variation im Vordergrund. Bei den hochwertigen Retro-Beispielen geht es daher eher um eine sinngemäße Nachahmung, bzw. um eine formale Assoziationen anwendende Neuschöpfung als um eine reine Kopie.

Raumkonzept

Ein konkretes Raumkonzept umfasst diverse architektonische und innenarchitektonische Faktoren. Ein gutes Raumkonzept berücksichtigt die Raumnutzung in Anbetracht verschiedener Lebensszenarien und ermöglicht somit bestimmte Nutzungsstrukturen. Die Raumwahrnehmung wird insbesondere durch die Beziehung der Raumteile (Sichtachsen und Nischenbildung, Lufträume durch Galerien oder halbhohe Wände, etc.), Licht und Materialien und sowie durch die Formgebung und das Farbklima bestimmt.

Radical Design

In den späten 60er- bis zu den späten 70er-Jahren aktive italienische Gegenbewegung zum trist-funktionalistischen wie auch zum leicht-komsumierbaren und fetischistischen Design. Ihre Vertreter waren gesellschaftskritisch motiviert, drückten sich aber weniger durch konkrete Produkte als durch Zeichnungen, Fotomontagen und Projektionen aus. Die dem Radical Design zugehörigen Gruppen Superstudio, Archizoom, Alchimia u.a. vertraten anti-industrielle Tendenzen. Als geistiger Vater gilt Ettore Sottsass, der in der Alchimia-Nachfolgegruppe Memphis u.a. zusammen mit Michele De Lucchi eine Werbung, Industrie und Konsum bejahende Gestaltungsphilosophie vertrat.