Purismus/puristisch

Purismus wird heute meist gleichgesetzt mit „Schlichtheit“ und „Einfachheit“. Der Begriff stammt jedoch ursprünglich aus der Sprachkritik, wobei ein reiner, unverfälschter, von allen Fremdkörpern befreiter Stil gefordert wird. Purismus will eine kulturelle Eigenart so authentisch, ursprünglich und rein erhalten, wie es geht. Insofern kann auch eine stilreine klassizistische Gestaltung als puristisch verstanden werden. Purismus ist daher immer mit einer gewissen Strenge verbunden. Als gestalterische Haltung ist der Purismus entstanden aus einer sich vom russischen Konstruktivismus herleitenden Ästhetik, der eine klare, strenge Kunst auf der Basis rein architektonischer und geometrischer Formen forderte. Das Ideal ist die Komposition aus elementaren geometrischen Formen bei Vermeidung rein dekorativer Effekte. Im heutigen, vornehmlich auf Design bezogenen Sinne bezeichnet Purismus eine extrem reduzierte Formensprache mit schon fast asketischer Ästhetik. Hierbei kann auch eine moralische Komponente anklingen: Bescheidenheit in der äußeren, formalen Gestaltung, die eine fast schon sakrale Konzentration auf innere Qualitäten befördern soll. Da der Purismus auch das Ideal der Echtheit vertritt, wird hier — im Unterschied etwa zum Minimalismus — nichts kaschiert, um homogener und glatter zu wirken. Alle Dinge sollen für sich sprechen. Typisch sind ein reduzierter Materialmix, unbehandelte Oberflächen, Klarheit durch scharfe Linienführung, geometrische oder archetypische Formen (auch traditionelle, einfache Formen), eine farblich tendenziell homogene Gestaltung oder harte Kontraste mit wenigen Primärfarben, Schwarz-Weiß- Kombinationen und Grauschattierungen.

Proportion/proportional

In der Ästhetik bezeichnet Proportionalität für das Auge besonders „angenehme“ Größen- oder Längenverhältnisse. In der Bildenden Kunst wird mit Proportion das (als idealer Maßstab geltende) Verhältnis der Körperteile zueinander und zum Ganzen gemessen und in der Architektur die Breiten-, Höhen- und Tiefenmaße in Beziehung zum Gesamtbauwerk (vgl. „Goldener Schnitt“). Das Empfinden von Ausgewogenheit der Proportionen ist kein Zufallsprodukt, sondern biologisch, ästhetisch und kulturell determiniert — so erscheinen dem Europäer US-amerikanische Autos zwar insgesamt überproportioniert, aber immerhin in sich harmonisch, während das Schönheitsideal überlanger Hälse bei afrikanischen Kulturen unser Proportionsempfinden tief greifend irritiert, da hier das Verhältnis eines Teils zum Ganzen gestört erscheint. In der Mode wandelt sich der Geschmack schneller als in anderen Bereichen, während etwa in der Architektur die Proportionen auch strukturbedingt berechnet werden müssen. Im Design sind derzeit leichte Verzerrungen der Volumenproportionen in Richtung XXL festzustellen, während die minimalistische Proportionsgestaltung etwa bei Hightech-betonten Produkten und Strukturen ins umgekehrte Extrem tendiert.

Profil

Eigentlich bedeutet Profil in der Architektur und im Design lediglich einen Querschnitt, eine Seitenansicht oder den Umriss einer Form. Im Kontext der heutigen Formen- und Produktfülle steht Profil — als ästhetisches Äquivalent zum Konzept der Identität — aber für weit mehr, nämlich für Differenzierung (vom Markt), für Originalität, Eingängigkeit und Individualität. Paradoxerweise gewinnen Produkte genauso wie Personen an Profil, wenn sie sich durch bestimmte Handlungen, ergänzende Eigenschaften oder formale Effekte „profilieren“, also dadurch, dass sie in den Augen der Konsumenten und des Publikums „Tiefe“ gewinnen, die das ursprünglich zweidimensionale Bild (denn ein Profil ist ja eigentlich nicht mehr als ein Scherenschnitt) mit Charakter füllen. Dass dieser Charakter dann vielleicht mehr einem künstlichen Image bzw. dem Wunschdenken und nicht unbedingt dem echten Inhalt entspricht, müssen mit der Zeit nicht nur Wähler, sondern auch viele Konsumenten feststellen. Auch im Design lautet die Herausforderung, die richtige Balance zwischen klassischen, zeitlosen Eigenschaften und trendgerechten oder originellen Formfindungen zu finden.

Produktdesign

Entwurf und Entwicklung von Produkten für die industrielle Herstellung. Im Gegensatz zu anderen Disziplinen des Designs, wie insbesondere zum Grafikdesign, werden im Produktdesign dreidimensionale Gegenstände entwickelt, die für die Benutzung durch den Menschen gedacht sind und deshalb bestimmte Anforderungen erfüllen müssen: sie müssen funktional sein (d.h. ihren Zweck optimal erfüllen), gebrauchsfreundlich bzw. praktisch, ergonomisch gestaltet und haltbar sein. Da sie alle Sinne des Menschen ansprechen sollen, werden auch hohe Anforderungen an die ästhetische Erscheinung des Produkts gestellt ― der Gegenstand soll (möglichst lange) schön (Optik), sich gut anfühlen (Haptik), gut riechen und klingen (etwa im Automobildesign wichtig) und evtl. auch eine neue sinnliche Erfahrung vermitteln. Eine weitere wichtige Aufgabe des Produktdesigns ist die Nachhaltigkeit, durch umweltfreundliche Materialien und Herstellungsprozesse, Langlebigkeit, Möglichkeit des Produkt-Recyclings und dass eine günstige Energiebilanz bei Produktion und Benutzung gewährleistet wird. Ein wichtiger Aspekt bei der Produktentwicklung ist zudem, den Entwurf auf die industrielle Massenfertigung abzustimmen, sodass das Produkt sich maschinell oder mit wenigen Arbeitsschritten, mit möglichst wenig Materialeinsatz und damit möglichst preisgünstig herstellen lässt. Dieser Aspekt wird heute allerdings nicht immer berücksichtigt. Die Massen(produktions)tauglichkeit eines Designobjekts wird nicht mehr von allen Designern als verpflichtende Aufgabe betrachtet. Diese Entwicklung ist wohl teils der technischen Entwicklung geschuldet, die es möglich macht, sehr individuell und in kleinen Auflagen zu produzieren; zum anderen führt auch die Annährung der Disziplin Design und Kunst zu der Entstehung von immer mehr — meist sehr teuren Produkten in limitierter Edition.

Postmoderne

Als Epochenbegriff bezeichnet Postmoderne (=Nachmoderne) die Zeit nach der fortschrittsgläubigen Moderne. In der Philosophie, der Sprachforschung und allen gestaltenden Disziplinen hatte die Postmoderne großen Einfluss auf die gesamte westliche Kultur. Mitte der 70er-Jahre formierte sich die Avantgarde-Bewegung, die in den 80er-Jahren stilprägend wurde. In der Architektur wurde sie hauptsächlich durch die Amerikaner Robert Venturi und Charles Jencks und im Design durch Persönlichkeiten wie Ettore Sottsass oder Alessandro Mendini bzw. durch italienische Gruppen wie Alchimia und Memphis inspiriert. Ursprünglich als Protest gegen die emotionsleere funktionalistische Gestaltung gedacht, war der postmoderne Stil im Design ein großer kommerzieller Erfolg, dem aber bald unpraktische und beliebige Formgebung und ein z.T. kitschiger Stil vorgehalten wurde. In der Postmoderne werden formen meist als Zitat eingesetzt — spielerisch, dekorativ und oft ohne eine wirkliche Funktion. Nicht die Neufindung, sondern die Rekombination und neue Anwendung von Formen und Ideen gilt als originell. Als künstlerische Techniken dominieren die Dekonstruktion, das Sampling und Mixen von Vorgefundenem. Vergangene Stile werden z.T. ironisch in Szene gesetzt. Das Weltbild der Postmoderne war pluralistisch, fraktal, von zufälligen Kreisläufen bestimmt. Die vornehmlich in der Architektur geführte Postmoderne-Diskussion über die Bedeutung der Formen (in Abwendung vom monotonen Funktionalismus im „Internationalen Stil“) fand auch im Design Widerhall. Die kommunikative Funktion der Gegenstände geriet wieder stärker ins Blickfeld. Architektur und Design setzen sich seither wieder stärker mit der „Sprache der Objekte“ auseinander.

Polarisierung

Polarisierung bezeichnet ganz allgemein den Prozess des Auseinanderdriftens zweier oder mehrerer entgegen gesetzter Positionen. Auch Meinungen und Eigenheiten von Personen, aber auch Fragen des Geschmacks, können polarisieren — das heißt, dass sie entweder besonders große Zustimmung oder Ablehnung hervorrufen. In der Gestaltung kann der Aufbau von gegensätzlichen Polen einem bewussten Spannungsaufbau dienen — etwa durch eine Kombination von organischer und geometrischer Formensprache, von unterschiedlichen Materialien oder Farben oder auch von widersprüchlichen Botschaften, wie sie etwa beim Auseinanderdriften von Form und Inhalt, beim Zusammenbringen von bekannten Formen und ungewöhnlichen Funktionen o.Ä. entstehen können.

plastisch

Erhaben, dreidimensional, in den Raum hinein wirkend. Bei einer zweidimensionalen oder sprachlichen Darstellung spricht man von einer plastischen Wiedergabe eines Gegenstandes/einer Idee, wenn sie perspektivisch ĂĽberzeugt bzw. lebendig, lebensnah und eindrĂĽcklich geschildert ist.

Plagiat

Diebstahl geistigen Eigentums. Von einem Plagiat (von lat. „plagium“ = Menschenraub abgeleitet) wird gesprochen, wenn die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes ausgegeben wird. Es ist unter bestimmten Voraussetzungen strafbar und verpflichtet dann den Plagiator zum Schadenersatz. Im Unterschied zur Kopie oder Fälschung ist ein Plagiat nicht unbedingt identisch mit der Vorlage; es wird auch nicht vorgetäuscht, dass es sich bei dem Plagiat um das Original handelt. Vielmehr wird abgestritten, dass es sich um ein Nachahmer-Produkt handelt.