Avantgarde/avantgardistisch

Kunsthistorisch bezieht sich der Begriff Avantgarde auf Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Ideen und Kunstwerken ihrer Zeit vorausgreifen. „Avantgarde“ (frz: „l‘ avantgarde“ = Vorhut) steht dabei für eine neue Kunst des (beginnenden) 20. Jahrhunderts. Der Begriff ist eng mit der Moderne verbunden. Ziel einer avantgardistischen (meist elitären, sich als Vordenker verstehenden) Bewegung war ursprünglich immer eine gesellschaftliche Veränderung. In den künstlerischen Avantgarden, die sich vor allem zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus Künstlergemeinschaften und -bewegungen entwickelten — etwa der italienische Futurismus, der russische Konstruktivismus, De Stijl (Holland) oder das Bauhaus in Deutschland — ist fast immer ein idealistischer Fortschrittsglaube festzustellen. Gemeinsam ist allen diesen Bewegungen, dass sie die jeweils herrschenden Geschmacksnormen ablehnen. Als avantgardistisch kann daher kein einzelner Stil bezeichnet werden, sondern vielmehr eine künstlerische oder intellektuelle Haltung. Vielmehr wird damit heute eine betont moderne künstlerische Ausdrucksweise verstanden, die provozieren will, um für ein neues ästhetisches oder gesellschaftliches Ideal zu werben. Selbst wenn das Ideal nicht verwirklicht werden kann, haben avantgardistische Bewegungen häufig einen großen Einfluss auf eine ihr nachfolgende Mode bzw. die künstlerischen Trends und Designentwicklungen ihrer Zeit.

Authentizität/authentisch

Authentizität (von griech./lat. = Echtheit, Zuverlässigkeit, Glaubwürdigkeit) bedeutet Echtheit, ein authentisches Objekt bezeichnet immer ein Original oder ein mit dem Original identisches Produkt (etwa in der Serienfertigung). Im übertragenen Sinne kann auch eine Form oder eine Haltung als authentisch (als Gegensatz zu vordergründig, oberflächlich, vorgeblich) wahrgenommen werden, wenn sie zwar nicht das Original kennzeichnet, wohl aber dessen ursprüngliche Qualität und „wahrhaftige“ Identität aufweist. Eine Corporate Identity kann demnach authentisch sein, wenn sie glaubhaft vertreten wird, ein Formzitat oder ein Re-Design ist authentisch, wenn es „im Sinne“ des Originals verwandt/gestaltet ist. Glaubwürdigkeit erscheint im Zeitalter unbegrenzter Reproduzierbarkeit verlässlicher als das Original, das kopiert werden kann, ohne seine „Seele“ zu besitzen.

Ausstellungskonzept

Entscheidend ist die Gestaltung einer Ausstellung nach einem durchgehend erkennbaren Prinzip, um Erfolg bei der gewünschten Zielgruppe zu erreichen. Die Spezialisierung auf verschiedene Marktsegmente (Luxusbad, Schnelldreher) oder Stilwelten (mediterran, Landhaus, modern, minimalistisch, traditionell) bewirken die Ansprache der entsprechenden Klientel. Dabei ist der klassische Aufbau in Kojen mit an der Wand aufgereihten Objekten nicht immer ausreichend, um dem Anspruch gerecht zu werden, jeweils eine ganze Welt abzubilden — hierfür sind zunehmend Raumkonzepte und raumgreifende Inszenierungen vonnöten, die die Komplexität eines Themas/einer Kollektion mithilfe von innenarchitektonischen Mitteln (Farbklima, Boden- und Wandgestaltung, Licht) abbilden.

ausgewogen

Genau, sorgfältig abgestimmt, harmonisch — und damit auch: wenig dynamisch, bewegt, gerichtet. Keines der Gestaltungs- oder Stilelemente erhält Übergewicht oder wird auffällig betont. Eine ausgewogene Formgebung setzt (etwa geometrische) Elemente oder unterschiedliche Stile in ein harmonisches Verhältnis. Eine ausgewogene Gesamtgestaltung „ruht in sich“.

asymmetrisch

Das Adjektiv bezeichnet das nicht symmetrische oder nicht gleichmäßig gewichtete Verhältnis von Elementen in einer Gesamtkomposition. Dies führt zu einer Schieflage in der Optik oder sogar der Statik von gebauten Konstruktionen und Produkten. Manche Gestalter wählen eine asymmetrische Komposition aber auch bewusst, um einen Spannungsbogen aufzubauen. Im Dekonstruktivismus wiederum haben asymmetrische Konstruktionen das Ziel, den Gleichgewichtssinn des Betrachters und sein Harmonieempfinden durch technische Tricks zu irritieren.

ästhetisch

Die Alltagssprache verwendet den Begriff oft als Synonym (= gleichbedeutend) für „schön, ausgewogen, geschmackvoll, ansprechend“. Eigentlich sind damit allerdings sämtliche sinnlich erfahrbare Eigenschaften zu verstehen, die darüber entscheiden, wie wir unsere Umwelt und die Objekte wahrnehmen — insbesondere, warum wir sie als schön oder hässlich empfinden. Häufig werden ausgewogene Proportionen, gleichmäßige oder hierarchisierende/abstufende Rhythmen und harmonische Farbkombinationen als besonders ästhetisch bzw. schön und angenehm empfunden. Was wir als ästhetisch empfinden, ist zum Teil biologisch begründet, aber auch soziologisch (durch das persönliche Umfeld vorgegeben) und kulturell erlernt. Ebenso viele Faktoren bestimmen, ob wir ein Design als ästhetisch bzw. ästhetisch überzeugend empfinden oder nicht. In manchen Kulturen gelten reduzierte und harmonisch proportionierte Formen als schön, in anderen wiederum eine reiche Ornamentik.

Ästhetik

Ästhetik ist die Theorie von der sinnlichen Wahrnehmung (von griech. „aisthesis“ = Wahrnehmung). Gemeint ist also nicht „das Schöne“ an sich, sondern die Lehre von den Gesetzmäßigkeiten und Grundlagen des Schönen (Harmonie), wie sie etwa in der Natur und der Kunst zu erkennen sind. Auch die Frage, ob die ästhetischen Eigenschaften als objektiv gegeben anzunehmen sind oder ob die Schönheit im Auge des Betrachters liegt, wird hier untersucht. Dabei geht es weniger um den persönlichen Geschmack als um die allgemein menschliche bzw. die allgemein gesellschaftliche Wahrnehmung dessen, was schön ist.

Architektur

Eine der ältesten Kunstformen menschlicher Zivilisation. Die Grenzen zwischen Zweckbau und Baukunst sind heute fließend — Kaufhaus, Konzerthalle, Kirche und Wohnung sind in unseren Augen gleich wert, gestaltet zu werden. Die Verbindung von Architektur und Geometrie ist so alt wie die Architektur selbst. Die Auffassung der Architektur als Raumhülle und konstruktives Gerüst sowie die richtungsbetonte Axialität (Ausrichtung an Achsen) verdanken wir der römischen Antike. Die seither im Massivbau entwickelten Prinzipien werden heute mit modernen Konstruktionsmaterialien (Stahlskelett, Beton, Glas etc.) fortgeführt. Der Raum wird dabei durch Maß, Proportion, Form und Kompositionsweise gestaltet.

architektonisch

Alles, was einen Raum konstruiert und nicht unabhängig von ihm zu sehen ist — sowohl konstruktiv als auch gestalterisch. „Architektonische Gestaltung“ im Produktdesign basiert zumeist auf geometrischen (Grund-) Formen. Geradlinige, wenig expressive, puristische Formen und ein auf alles Unnötige verzichtender, manchmal technisch wirkender Stil werden als „architektonisch“ empfunden. Die Produkte wirken dabei wie architektonische, d.h. bauliche (Lasten und Funktionen tragende) Elemente und passen sich dem Raum an (anstatt ein skulpturales Eigenleben zu entwickeln). Solche Produkte sind oft wand-/bodengebunden oder/und strukturieren den Raum, ohne der Architektur ein eigenes Ordnungssystem entgegenzusetzen. Sie sind auch nicht rein dekorativ, sondern haben einen körperbetonten Charakter.

Archetyp

Als archetypisch (gr. arche: Anfang; typos: das Geprägte; Urbild, Urform) können Formen bezeichnet werden, die in unserem kulturellen Gedächtnis verhaftet sind und beispielhaft oder symbolisch für eine bestimmte Funktion stehen: Ein Haus hat für uns immer noch einen rechteckigen Grundriss und ein Satteldach, obwohl es heute eine Vielfalt anderer Haustypen gibt. Im Produktdesign werden Formen als Archetypen bezeichnet, die eine neue Produktklasse eröffnen oder diese beispielhaft verkörpern, wie etwa der Kreuzgriff die Armaturengriffe, der Porsche 911 den Sportwagen, Mart Stams Stahlrohrstuhl „S34“ (1926) den Freischwinger usw.

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