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Stoffliches Möbelhacking und angedeutete Privatspähre: Pure Talents Contest 2018

Foto: Anton Hendrik Denys

Beim Pure Talents Contest können sich Studenten und Absolventen bewerben, die erst vor Kurzem ihre Ausbildung abgeschlossen haben. Eingereicht werden können Entwürfe und noch nicht in Produktion befindliche Prototypen aus diversen Interior-Bereichen sowie Smart Home. Das haben auch Anton Hendrik Denys mit seinem Foam Fence und Anne Schmiederer mit ihrem Bluf Ruffle Chair gemacht. Und beide sind zur imm cologne eingeladen worden.

Die Anzahl der Einreichungen war so hoch wie noch nie – bei gleichbleibend hohem Niveau, wie Sebastian Herkner betont. Gerade „die starken Beiträge aus Asien und vor allem aus Japan werden die Ausstellung auf der imm cologne bereichern“, begrüßt der Designer die hohe Internationalität des Wettbewerbs. Und auch Jury-Mitglied und Berliner Designjournalistin Sophie Lovell findet dies bemerkenswert: „Wir sehen hier eine international sehr breit gewordene Palette an Teilnehmerbeiträgen, Stilen und Arbeitsmethoden. Es ist sehr interessant geworden und nicht so sehr auf einen Europäischen Designstil begrenzt“, so die gebürtige Londonerin. Aus den 20 nominierten Beiträgen werden während der imm cologne nochmals drei Gewinner ausgewählt. Die Entscheidung der Juroren wird am ersten Messetag, dem 15. Januar 2018 um 14 Uhr im Rahmen der Preisverleihung in „The Stage“ (Halle 3.1) bekanntgegeben.

 

Stoffliches Möbel-Hacking:
Der Blue Ruffle Chair von Anne Schmiederer

Foto: Anne Schmiederer

Der Blue Ruffle Chair interpretiert die Auffassung eines Stuhlüberzugs neu. Durch diesen Stuhlüberzug wird ein gewöhnlicher Hocker (IKEA „FROSTA“) zu einer besonderen Rarität. Ebenfalls setzt sich das Projekt mit dem Einsatz von klassischen Plissee-Techniken im Interieur auseinander und zeigt wie diese anspruchsvoll als Wohnaccessoire Verwendung finden können.

 

Pure Talent’s Voice mit Anne Schmiederer

Warum bist du Designer geworden?
Der Umsetzungsprozess einer kreativen Idee hat mich schon immer fasziniert. Ich liebe es mich in Design zu verlieren.

Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift?
Jeder Designer hat sicherlich sein/ihr Lieblingsmedium. Das Entwerfen beinhaltet oft das Anfertigen kleiner Skizzen oder Scribbles. Ich mache dies gerne von Hand mit dem Bleistift, so fühle ich mich näher an der Sache.

Macht Design glücklich?
Interessantes Design macht mich auf jeden Fall glücklich. Mein Design im Entstehungsprozess macht mich glücklich, aufgeregt und manchmal auch wahnsinnig. Design ist für mich sehr intensiv.

Foto: Anne Schmiederer

Was findest du am Designberuf befriedigend und/oder unbefriedigend?
Befriedigend ist, wenn nach einer langen Entwurfsphase ein gutes Produkt entsteht. Darauf ist man natürlich schon stolz. Wenn dieses Produkt dann auch noch andere Menschen begeistert, ist das noch besser. Unbefriedigend ist Design, wenn eine Idee nicht aufgeht oder nicht die gestalterische Sprache erreicht auf die man hinarbeitet.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn, wie wichtig ist sie für dich?
Da sich meine Produkte momentan an der schmalen Grenze zwischen Design und Kunst bewegen, ist die Designwelt fernab der Serienproduktion für mich wichtig. Ich mag den Gedanken, dass mein Produkt so Menschen auf eine ungewöhnliche, persönliche Ebene anspricht.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Ein Gerät mit dem man die Zeit verlangsamen oder anhalten könnte wäre eine gute Erfindung. Es würde uns erlauben mehr im Moment zu leben.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Der Auftritt bei der imm cologne ist für mich eine große Ehre. Ich freue mich mein Produkt auf einer solchen Plattform präsentieren zu dürfen und erhoffe mir spannende Eindrücke.

 
 

Angedeutete Privarspähre:
Der Foam Fence von Anton Hendrik Denys


Manchmal reicht es schon aus, Privatsphäre nur anzudeuten. Darum geht es in Foam Fences, einer Arbeit von Anton Hendrik Denys. Durch die Kombination offener mit geschlossenen Strukturen lässt sich mit dieser Serie von Sichtschutzwänden ein Innenraum definieren, ohne den Lichteinfall zu behindern oder das Raumgefühl zu beeinträchtigen. Voluminöse Schaumstoffstreifen überlagern einander. So entsteht ein Muster mit Tiefenwirkung. Der Schaumstoff ist mit einem Überzug beschichtet, der mit seiner harten, beinahe metallischen Optik einen starken Kontrast zur Weichheit des Rahmens herstellt. Der Benutzer ist eingeladen, sich diesem visuellen Widerspruch zu nähern, ihn zu untersuchen und aufzulösen, was ihn dann dazu veranlasst, mit der Szenerie auf der anderen Seite des Raumteilers zu interagieren.

 

Pure Talent’s Voice mit Anton Hendrik Denys

Warum bist du Designer geworden?
Schon als Kind wusste ich, dass ich als Erwachsener etwas Kreatives machen wollte. Lange Zeit habe ich davon geträumt, Schriftsteller oder Modedesigner zu werden. Letztlich erschien es mir dann aber am sinnvollsten, Architekt zu werden. So begann ich gleich nach der High School mit der Architektenausbildung. Aber schon bald erkannte ich, dass ich mich nicht auf einen genau definierten Beruf in einem ganz bestimmten Bereich festlegen wollte. Ich bin dann in das Designfach gewechselt, weil ich zu der Überzeugung gelangt bin, dass Design es einem erlaubt, kreativ im weitesten Sinne des Wortes zu sein. Wenn Sie Mode entwerfen wollen, können Sie das tun und wenn Sie an einem Architekturprojekt mitarbeiten wollen, ist das auch möglich. Diese unglaubliche Vielfalt an Möglichkeiten und die Freiheit, sich selbst immer wieder neu erfinden zu können, ist das, was ich am meisten an der Arbeit als Designer liebe.

Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift? Oder arbeitest du digital?
Ich benutze fast nie einen Bleistift – beinahe so selten, dass ich mich fast dafür schäme. In der ersten Entwurfsphase eines neuen Projekts arbeite ich in der Regel sehr digital, kehre dann aber oft zu einem eher praktisch-haptischen Ansatz zurück, je weiter sich das Projekt fortentwickelt.

Hast du Vorbilder?
Da gibt es so viele … Jemand, der mich immer wieder fasziniert, ist der belgische Modedesigner Dries van Noten. Auch Maarten van Severen war schon immer eine starke Inspiration für mich, vor allem wegen der Vielfältigkeit seiner Arbeit in ganz verschiedenen Designbereichen. Und heute bin ich immer noch ein großer Fan von allem, was seine Kinder machen. Und – last but not least – denke ich, dass auch Ettore Sottsass ein perfektes Beispiel für jemanden ist, dem es gelungen ist, die Grenzen zwischen Design und Architektur aufzuheben.

Foto: Anton Hendrik Denys

Was findest du am Designberuf befriedigend bzw. unbefriedigend?
Es ist eine große Genugtuung, wenn man sieht, wie ein Projekt immer lebendiger wird und schließlich die ihm ganz eigene Gestalt annimmt. Der wirklich sehr unbefriedigende Teil der Arbeit als Designer ist allerdings die Tatsache, dass aus so vielen Konzepten nie mehr wird als eben nur ein Konzept.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn ja, wie wichtig ist sie für dich?
Um ehrlich zu sein, ist es mir am liebsten, für limitierte Auflagen zu entwerfen. Mir gefällt die Idee, dass nur eine Person auf der ganzen Welt ein bestimmtes Designobjekt besitzen kann. Auch wenn ich ein bestimmtes Objekt neu auflege, ändere ich immer eine Kleinigkeit, damit es niemals zwei völlig gleiche Exemplare davon gibt… wobei ich allerdings sagen muss, dass meine Arbeitsweise dabei auch eine große Rolle spielt, denn selbst wenn ich es wollte, kann ich meinen Produktionsprozess nicht wirklich vollständig kontrollieren… Fehler sind unvermeidlich und machen es fast unmöglich, zwei genau gleichartige Stücke zu schaffen. Aber für mich liegt genau darin große Schönheit.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Für mich ist die Messe eine großartige Gelegenheit, eine andere Seite von mir und meiner Arbeit zu zeigen. Bislang habe ich nur in Kunstgalerien oder auch in nicht-kommerziellen Zusammenhängen ausgestellt. Die Leute dürften mich bisher also eher als Künstler und weniger als Produkt- oder Möbeldesigner wahrgenommen haben.
Die imm cologne bietet mir eine Plattform, um den Beweis anzutreten, dass ich mich als Designer nicht notwendigerweise auf eine bestimmte Nische beschränken muss. Und das ist etwas, was ich wirklich sehr schätze.

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