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Produkte jenseits von Raum und Zeit – ohne feste Definition: Pure Talents Contest 2018

Foto: Pia Regenbracht

Das Messeformat Pure Talents bündelt als Plattform für junges Design die Aktivitäten der imm cologne zur Förderung internationaler Nachwuchsdesigner. Highlight ist der vollständig von der Messe finanzierte Nachwuchswettbewerb Pure Talents Contest, der auf der imm cologne 2018 bereits seinen 15. Geburtstag feiern kann. Mit dabei sind bei der Jubiläumsausgabe auch Pia Regenbrecht mit ihrer Produktreihe Hyperreal und Julien Manaira mit seinem Kunststoffregal The once liquid plastic.

Auch Sebastian Herkner, einer der erfolgreichsten deutschen Designer und auch dieses Jahr wieder Jury-Mitglied, nutzte den Contest einst als Karriere-Sprungbrett. „Die imm cologne ist die erste Messe im Jahr und überschaubarer als Mailand. Das ist für die jungen Talente ein klarer Vorteil“, meint der Offenbacher Designer, und fügt hinzu: „Der Wettbewerb ist in der Branche etabliert, was nicht zuletzt die Anzahl der Produkte widerspiegelt, die nach der Ausstellung im Rahmen des Pure Talents Contes in Produktion gegangen sind.“ Die praxisnahe Positionierung des Wettbewerbs sehen auch die übrigen Juroren positiv: „Die Historie des Wettbewerbs und der direkte Kontakt mit der Industrie auf der Messe sind die größten Pluspunkte des Pure Talent Contest“, so Harry Paul van Ierssel. „Die Teilnehmer werden sofort nach der Messe mit der Wirklichkeit konfrontiert – mit den Unternehmen und mit der öffentlichen Kritik.“

 

Nicht von dieser Welt: Hyperreal von Pia Regenbrecht

Objekte des Wohnraums für einen Fokus auf den gegenwärtigen Moment.
Foto: Pia Regenbrecht

Was bedeutet Wohnraum in Zeiten von digitalem Hyperraum des World Wide Webs? Die Digitalisierung erhält Einzug in unseren privaten Wohnraum – globale und beständige Vernetzung lösen die Grenzen von Raum und Zeit auf. Die Wohnmöbel der Objektreihe Hyperreal hinterfragen durch konträre Funktionen alltägliche Gewohnheiten, um den Fokus auf den gegenwärtigen Moment zu lenken.
PRODUCTIVITY >< DISFUNCTION reduziert einen Schreibtisch auf eine flexibel nutzbare Arbeitsfläche oder wird zu einer Installation ohne Funktion. SELFFOCUS >< SURROUNDING übersteigert einen Spiegel auf ein hochpoliertes, idealisiertes Spiegelbild oder lenkt den Blick in die Umgebung. FUTURE >< PRESENCE macht die Uhrzeit aus nur einem Blickwinkel ablesbar oder aus dem umgebendem Raum wahrnehmbar.  

Pure Talent’s Voice mit Pia Regenbrecht

Warum bist du Designer geworden?
Ganz allgemein um Menschen und ihre Umgebung besser kennen zu lernen. Wie beeinflusst uns unsere Umgebung und wie können wir unsere Umgebung beeinflussen? Was für eine Rolle spielen dabei Produkte?
Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift?
Auf jeden Fall! Um erste Ideen, Visionen und spontane Einfälle ganz intuitiv aus dem Kopf, über den Arm mit dem Bleistift auf das Papier zu bringen. Dieser Prozess ist für mich der kreativste Teil der Gestaltung.
Hast du ein Vorbild / Vorbilder?
Ich versuche mir Inspiration aus unterschiedlichen Bereichen zu suchen. Momentan ist ein Philosoph mein Vorbild: Mich fasziniert die Art und Weise, wie Jean Baudrillard die Gesellschaft aus einem extremen bzw. sehr kritischen Blickwinkeln beobachtet und daraus eigene Ideale und Werte ableitet.

Macht Design glücklich?
Nicht das Design an sich, das ist nur Mittel zum Zweck, um sich zum Beispiel selbst auszudrücken, seinen Alltag zu gestalten oder zu optimieren. Also ist Design eigentlich das, was daraus gemacht wird. Dabei kann bestimmt Glück entstehen.
Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn, wie wichtig ist sie für dich?
Der Trend geht zur Individualisierung, deswegen ist es für mich sehr spannend zwischen den Grenzen von industrieller Serienproduktion und maßangefertigtem Kunsthandwerk zu arbeiten. Wie kann man die Vorteile aus beiden Varianten miteinander verbinden?
Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Um diese Frage kümmern sich so viele Leute. Vielleicht wurden die besten Erfindungen schon längst gemacht, und man muss sich nur an sie zurückerinnern und sie der heutigen Zeit anpassen.
Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Ich bin sehr gespannt, wie die Besucher auf meine Möbelserie reagieren. Ansonsten freue ich mich auf neue Kontakte, Diskussionen und neue Projekte.

 
 

Unerwartet undefiniert: Das Kunststoffregal The once liquid plastic von Julien Manaira

Ein handgefertigtes Kunststoffregal mit einer unerwarteten Annäherung an Kunststoff.
Foto: Julien Manaira

Das Projekt macht einen Prozess sichtbar, der den physischen und mentalen Einsatz des Herstellers innerhalb des Produktionsprozesses zu erweitern versucht. Das Verfahren verwendet offene Formen, in die schichtweise Epoxidharz vergossen wird. Struktur und Durchmesser der Objekte ergeben sich durch die spezifische Abfolge der Abgüsse in Verbindung mit den jeweiligen Positionen der Form, wobei diese als ein Rahmen fungiert, der Verschiebungen erlaubt statt eine fest definierte Eingrenzung vorzugeben.

 

Pure Talent’s Voice mit Julien Manaira

Warum bist du Designer geworden?
Als ich 14 Jahre alt war, belegte ich an meiner Schule einen Kurs in angewandter Kunst. Ich erinnere mich noch gut, wie fasziniert ich damals von den Arbeiten von Droog Design war. Seitdem ist viel Zeit vergangen und die Dinge haben sich für mich weiterentwickelt, aber ich denke, das war bereits der Zeitpunkt, an dem ich mich entschied, Designer zu werden. Die Tatsache, dass ich heute in den Niederlanden lebe und arbeite, hat daher einen schönen Symbolwert für mich.

Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem dir schon mal etwas Gutes eingefallen ist?
In letzter Zeit habe ich öfters gute Einfälle beim Radfahren durch Amsterdam. Ich kenne das auch noch aus der Zeit, als ich vierzig Minuten mit dem Fahrrad zu der Schule fuhr, an der ich meinen Master gemacht habe. Diese langen Fahrten empfinde ich als sehr entspannend. Ich kann dabei völlig versunken meinen Gedanken nachhängen. Und daraus entstehen dann manchmal ganz unvermittelt wirklich interessante Ideen.

Hast du Vorbilder?
Wenn ich mich auf ein bestimmtes Vorbild festlegen müsste, dann wäre es wohl Gaetano Pesce wegen seiner bereits in den 70er Jahren begonnen Arbeiten mit Kunststoffen bzw. Verbundwerkstoffen im Allgemeinen. Sein Ansatz hat meine Arbeiten in letzter Zeit stark beeinflusst, insbesondere was die Einbindung des Herstellers in den Entwicklungsprozess betrifft. Ich bin immer noch erstaunt, wie weit er seiner Zeit voraus war und immer noch ist.

Foto: Julien Manaira

Macht Design glücklich?
Ja, die meiste Zeit über schon. Es macht mich zwar manchmal verrückt, aber ich würde es gegen nichts auf der Welt eintauschen wollen.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn ja, wie wichtig ist sie für dich?
Für mich ist es sehr wichtig, die Position des Herstellers zu berücksichtigen und ihn in die Serienproduktion einzubinden – ob es sich nun um kleinere oder sehr große Auflagen handelt. In meiner Arbeit versuche ich, Prozessabläufe zu standardisieren, die den Hersteller stark mit in das Endergebnis einbeziehen. Die einzelnen Prozessschritte sollten dabei aber so flexibel sein, dass sie immer noch genügend Raum für Vielfältigkeit lassen, die der Herangehensweise eines jeden Herstellers gerecht wird und so einzigartige Ergebnisse ermöglicht.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Wasserdichte Socken.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Als junger Hochschulabsolvent wollen Sie natürlich Ihre Arbeiten bekannt machen. Messen und Wettbewerbe stellen eine große Chance dar, ein größeres Publikum zu erreichen, Feedback zu erhalten und möglicherweise auch künftige Partner zu treffen. Und die imm cologne, die zu den wichtigsten Veranstaltungen dieser Art in Europa gehört, sollte man definitiv nicht verpassen.

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