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Maximal reduzierte Formen und duftende Glücksbringer: Pure Talents Contest 2018

Foto: Marcel Pasternak

Selten war das Teilnehmerfeld des Pure Talents Contest so international wie in diesem Jahr: 671 Designer aus 53 Ländern waren vertreten. Dabei waren viele Einreichungen von Studenten und jungen Absolventen aller großen Hochschulen wie RCA London, Design Academy Eindhoven, Lasalle Singapur, ECAL, Aalto University, Konstfack Stockholm, Pratt Institute NY, ArtCenter Pasadena und vielen anderen. Deutsche Nachwuchsdesigner kamen von Hochschulen wie Burg Giebichenstein, HfG Karlsruhe, Kunsthochschule Kassel, UDK Berlin oder Folkwang Essen, aber auch von Handwerksakademien etwa aus Münster, Garmisch und Aachen. Aus Japan wird Takafumi Nemoto die Reise nach Köln antreten, um hier seinen Raumduftdiffusor Bonsay vorzustellen. Etwas näher hat es Marcel Pasternak. Der Ex-Kölner kommt aus Berlin in seine Heimatstadt und hat die Sitzbank Molly im Gepäck.

 

Maximal reduziert: Molly von Marcel Pasternak


Molly ist die skrupellose Reduktion einer Form, die ausreicht, um den Charakter einer urbanen Sitzbank zu erhalten. Drei dicke, gebogene Stahlrohre in strahlendem Kobaltblau. Nicht mehr und nicht weniger. Ehrlich und solide, einfach Molly. Über das Induktionsbiegeverfahren können die Rohre industriell gefertigt und in hohen Stückzahlen produziert werden. Die Rohre werden pulverbeschichtet und von innen miteinander verschraubt.

 

Pure Talent’s Voice mit Marcel Pasternak

Warum bist du Designer geworden?
Genau mit dieser Frage bin ich eingestiegen, als ich auf der Suche nach einem geeigneten Thema für meine Masterthesis war. Ich denke, dass meine Berufung zum Designer frühen Kindheitserfahrungen zu Grunde liegt. Denn ich habe als Kind außergewöhnlich viel mit Konstruktionsspielzeug gespielt und auf diese Weise diverse Mechaniken und physikalische Prinzipien im Spielen erforscht. Konstruktionsspielzeug hat mir gezeigt, dass ich nicht nur passiver Konsument, sondern vielmehr aktiver Gestalter meiner Umwelt sein kann. Die Freude beim Erschaffen einer Konstruktion ist bis heute dieselbe geblieben. Ich hoffe, dass mich dieser Spieltrieb noch lange begleiten wird.

Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift?
Es ist schön zu sehen, wie digitale Hilfsmittel unsere analogen Werkzeuge ergänzen um uns den Alltag zu erleichtern. Ich persönlich bin stets mit Skizzenbuch unterwegs und großer Fan von kleinen Scribbles. Meist sind diese krumm und schief, aber ausreichend, um den aktuellen Gedanken festzuhalten. Wahrscheinlich könnte ich meine Zeichnungen im Nachhinein leichter wiederfinden, wenn sie digital archiviert wären. Aber JA, ich brauche einen analogen Stift. Ich liebe es, einen ehrlichen, selbstsicheren Strich auf ein knisterndes Blatt Papier zu ziehen.

Hast du Vorbilder?
Durch meine intensive Recherche für die bionicTOYS bin ich großer Verehrer von Leonardo Da Vinci geworden. Ansonsten mag ich die einfachen und poppigen Formen von Eero Aarnio, der übrigens auch großer Naturliebhaber war. Aarnio ist nie erwachsen geworden. Seine kindliche Leichtigkeit ist in all seinen Entwürfen sichtbar.

Foto: Marcel Pasternak

Was findest du am Designberuf befriedigend bzw. unbefriedigend?
Ich liebe es, Ideen wachsen zu sehen. Fehlschläge sind zwar frustrierend, gehören aber zum Gestaltungsprozess dazu. Die Kunst ist es, sich trotz diverser Fehlschläge den Mut zum Ausprobieren zu bewahren und nicht immer den sicheren, vorhersehbaren Weg zu gehen.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn, wie wichtig ist sie für dich?
Serienproduktion muss nicht unbedingt „Asien“ bedeuten. Die Serienproduktion meiner bionicTOYS findet beispielsweise in Deutschland statt. Auf der anderen Seite hat eine Produktion in Asien nicht automatisch minderwertige Qualität zufolge. Ich für meinen Teil versuche stets die lokale Produktion zu fördern wo ich nur kann. Allein schon wegen der Kontrolle, Kommunikation und Reaktionsgeschwindigkeit bei eventuellen Komplikationen. Es fühlt sich gut an, lokale Ressourcen zu nutzen und Deutschland als Produktionsstandort zu fördern. Mittelständische Familienbetriebe sind in der Fertigung meist auch experimentierfreudiger. Das passt zu mir.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Das deutsche Schulsystem engt die Entwicklung unserer Kinder viel zu sehr ein. Ich wünsche mir eine Grundschule in einem Baumhaus mit dem Fokus auf das Kind sein. Unterrichtsfächer: Bude bauen, Bionik, Feuer machen, Floßkonstruktionen, Geschichten erzählen, Singen und Tanzen.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Auf so einem internationalen Event als Newcomer nominiert zu sein, ist für mich eine große Ehre. Alle namhaften Designer und Hersteller für Interior Design werden vertreten sein. Einige davon hatten sogar ihren Durchbruch genau hier auf der imm cologne. Der Gang über den Pure Talents Stand gehört für jeden Besucher zum Pflichtprogramm. Großartig, dass mir als Newcomer solch eine Bühne geboten wird. Als Ex-Kölner bin ich natürlich auch froh, mal wieder den Dom zu sehen.

 
 

Handgeflochtener Duft als Glücksbringer: Bonsay von Takafumi Nemoto

Bonsay sind handgeflochtene Duftsticks, die einen edlen Duft in jeden Raum zaubern.
Foto: Takafumi Nemoto

In Japan gibt es eine besondere Kultur der Überbringung von Botschaften. Nach dieser Lesart verheißt Gestricktes Gutes, denn beim Stricken geht es um Verbindung. So ist dieser Duftstab ein Glücksbringer, der Duft und die traditionelle japanische Philosophie zusammenbringt. Die komplizierten Knoten sind aus natürlichen Materialien und von Hand gefertigt.

 

Pure Talent’s Voice mit Takafumi Nemoto

Warum bist du Designer geworden?
Als ich drei Jahre alte war, sah ich auf der Tsukuba Expo einmal ein von Luigi Colani entworfenes Modell eines Raumschiffs. Ich sah, dass die Form der Dinge die Menschen beeindrucken konnte. Später wollte ich dann auch eine Arbeit verrichten, mit der man einen bleibenden Eindruck hinterlassen kann.

Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift? Oder arbeitest du digital?
Ich brauche schon noch einen Bleistift, aber es ist wichtig, über ein dreidimensionales Modell Materialität herzustellen. Die digitale Arbeit besteht dann in der Erstellung der Formen oder im 3-D-Druck. Somit hilft sie mir dabei, mich auszudrücken.

Hast du Vorbilder?
Da gibt es niemanden Bestimmtes. Die zwei Jahre an der ECAL sind jedoch sehr spannend und prägend für mich. Ich denke, es geht viel um Versuch und Irrtum
mit eigenen Händen.

Macht Design glücklich?
Wenn ein Designobjekt Menschen erfreut, die es nutzen, macht mich das glücklich.

Foto: Takafumi Nemoto

Was findest du am Designberuf befriedigend bzw. unbefriedigend?
Es ist unbefriedigend, immer zu wenig Zeit zu haben. Aber es ist nun einmal so, dass uns nur begrenzte Zeit zur Verfügung steht und wir Beschränkungen unterworfen sind. Also gebe ich mich damit zufrieden, mein Bestes zu geben.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Etwas, das die Leute dazu bringt, einander nicht zu hassen.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Der von mir ausgestellte Prototyp ist ein Raumduftdiffusor. Es bedeutet mir viel, dass ich ihn [gerade] in Köln ausstellen kann, wo das Eau de Cologne zum allerersten Mal hergestellt und verkauft wurde. Ich bin sehr gespannt darauf, wie die Kombination von Design und Duft dort aufgenommen wird.

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