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Stauraummöbel mit Kordel und fleckige Teppichmuster: Pure Talents Contest 2018

Foto: Matthieu Muller und Pierre Alexandre Cesbron

Der international renommierte Pure Talents Contest wurde schon für viele junge Gestalter zum Karrieresprungbrett. In den letzten 14 Jahren stellten über 500 nominierte Design-Talente mehr als 400 Produkte während der internationalen Einrichtungsmesse imm cologne vor. Und nicht wenige Nominierte schafften es mit ihren Designs nach der 7-tägigen Messepräsentation in die Kollektionen namhafter Möbelhersteller. Dieses Mal stellen wir euch im Newsblog das französisch-niederländische Duo Pierre Alexandre Cesbron und Matthieu Muller mit der Möbelserie Liga sowie die israelische Designerin Irena Mirer Artzi und ihren Stained Carpet vor.

Bewertet wurden die Einreichungen von einer namhaften Jury – bestehend aus der Rotterdamer Designerin Rianne Makkink, dem Designer Sebastian Herkner aus Offenbach, der Berliner Journalistin Sophie Lovell, Architonic-Geschäftsführer Tobias Lutz sowie dem Designer Harry Paul van Ierssel aus Barcelona. Aspekte wie Gesamtkonzept, Eigenständigkeit des Designs und Originalität, konzeptionelle und visionäre Qualität, Funktionalität sowie Gestaltungs- und Präsentationsqualität spielten bei der Bewertung eine große Rolle.

Aufbewahren mit Farbverlauf und Kordel:
Die Serie Liga von Cesbron & Muller

Liga, eine multifunktionale Serie von Aufbewahrungsmöbeln
Foto: Muller, Cesbron

Liga ist eine Serie von Möbeln mit Stauraum – bestehend aus einer Kiste, einem Nachttisch und einem Couchtisch. Ein verbindendes gestalterisches Element der einzelnen Möbel sind die Farbabstufungen hin zu einem das Möbel mittig umlaufenden Band, das Oberteil und Unterbau verbindet und als zentrales Scharnier fungiert. Nach dieser Zusammenarbeit gründeten die beiden Designer im Sommer 2017 ihr eigenes Studio in Paris. Aus Frankreich und den Niederlanden verfolgen sie ihren Ansatz weiter, Objekte zu entwerfen, die gleichzeitig einfach, poetisch und funktional sind.

 

Pure Talent’s Voice mit Cesbron & Muller

Warum seid ihr Designer geworden?
Muller: Schon als Kind hatte ich Spaß daran, Handtaschen und andere Alltagsgegenstände mit Papier und Kleber herzustellen. Als ich dann älter wurde, wollte ich, dass meine Ideen umgesetzt werden und wirklich Gestalt annehmen. Also habe ich mich danach umgesehen, welche Möglichkeiten es hierfür gibt. Design ermöglicht es mir, meine Sensibilität und meine Sicht der Dinge auszudrücken und mit anderen zu teilen.
Cesbron: Vielleicht, weil ich immer an Stimmigkeit und Ausgleich interessiert bin. Und Design ist eine Möglichkeit, mit ganz verschiedenen Formen der Arbeit in Berührung zu kommen.

Braucht ein Designer heute noch einen Bleistift? Oder arbeitet ihr digital?
Muller & Cesbron: Das hängt ganz vom Thema ab. Wir machen beides. Oft skizzieren wir die ersten Ideen mit dem Bleistift, versuchen dann aber, diese Ideen und Skizzen in erste Modelle mit Pappe und/oder Schaum zu überführen, um so ein besseres Gefühl für das Volumen zu bekommen. Die Arbeit am Rechner dient dann eher der Verfeinerung, der schnellen visuellen Darstellung oder zur Unterstützung der Kommunikation.

Habt ihr Vorbilder?
Muller: Meine Vorbilder sind Ronan & Erwan Bouroullec wegen ihres poetischen, effizienten, einfachen und ästhetischen Stils. Ihr Design ist immer intelligent und authentisch.
Cesbron: Ich bin ein großer Bewunderer von Charlotte Perriand, ihr Leben inspiriert mich.

Foto: Matthieu Muller und Pierre Alexandre Cesbron

Was findet ihr am Designberuf befriedigend bzw. unbefriedigend?
Muller: Man weiß nie, wohin einen der Prozess führt. Man stellt die Welt um einen herum grundsätzlich in Frage und das versetzt einen in die Lage, die Dinge anders zu sehen und immer wieder überrascht von den Ergebnissen zu sein. Das macht das Leben und die Arbeit spannend.
Cesbron: Der Zweifel. Im Grunde ist er das befriedigendste Gefühl überhaupt. Ich denke, Design besteht darin, Methoden zu entwickeln, um seinen Zweifeln entweder auf den Grund zu gehen oder aber ihnen radikal entgegenzutreten. Sie sind gezwungen, Entscheidungen zu treffen.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn, wie wichtig ist sie für euch?
Muller: Die Designwelt ist so unglaublich vielfältig. Deshalb liebe ich sie auch. Mein Zugang zum Design war ja zunächst ein eher künstlerischer. Erst vor kurzem habe ich echtes Interesse an der Serienproduktion und deren Logik gefunden.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Muller: Ein Produkt, das unser Verhalten in eine Richtung verändert, die eine bessere Welt bewirkt – ohne dass wir es merken.
Cesbron: Ehrliche Produkte für ehrliche Menschen.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für euch?
Muller & Cesbron: Die Messe ist eine hervorragende Gelegenheit, Leute kennenzulernen, internationale Kontakte zu knüpfen und Projekte weiterzuentwickeln. Es ist sehr wichtig für uns, Rückmeldung zu unseren Arbeiten zu erhalten. Besonders schön wäre es natürlich, wenn wir jemanden treffen würden, der unsere Stauraummöbel-Serie Liga produzieren möchte.

 
 

Flecken, zum Patent angemeldet:
Der Stained Carpet von Irena Mirer Artzi

Design aus Flecken: nach einer zum Patent angemeldeten Technologie gestrickter Teppich.
Foto: Irena Mirer Artzi

Ein in einer einzigartigen Struktur hergestellter Strickteppich, bei dem eine Industriemaschine mittels einer zum Patent angemeldeten Technologie gezielt Flüssigkeit in bestimmte Teile des Gewebes leitet und so anstelle eines amorphen Flecks ein bestimmtes Motiv oder Muster entsteht. Die Idee entstand nach der Lektüre von Artikeln, die sich mit dem Thema „Abwertung“ beschäftigen, sowie aus dem Wunsch heraus, einen Stoff zu entwickeln, der aus dem Problem eine Lösung macht, indem er Flecken in ein zentrales Gestaltungselement verwandelt.

 

Pure Talent’s Voice mit Irena Mirer Artzi

Warum bist du Designer geworden?
Ich denke, es gibt kaum etwas, das einen mehr erfüllt, als etwas völlig Neues zu erschaffen. Es hat mich immer schon fasziniert und mit Freude erfüllt, wenn ich etwas ganz Eigenes entwickelt habe. Aber es hat einige Zeit gedauert, bis ich erkannt habe, dass ich Designer werden will. Wenn man etwas Eigenes entwickelt, durchläuft man zunächst immer den gleichen Prozess, aber dann entwickelt sich jedes Mal eine völlig andere Dynamik, bei der jeder einzelne Schritt spannend ist.

Braucht ein Designer heute noch einen Bleistift? Oder arbeitest du digital?
Ich betrachte mich selbst als Angehörigen der alten Schule, deshalb benutze ich natürlich auch immer noch einen Bleistift. Zeichnungen und Skizzen werden auf diese Weise natürlicher – und das ist sehr wichtig im Textildesign, damit die Dinge lebendiger und realistischer sind und eine eigene Handschrift erkennen lassen. Erst nachdem diese erste Entwurfsphase abgeschlossen ist, beginnt die Detailarbeit am Rechner, wobei diese Präzision natürlich entscheidend ist für die Kontinuität eines Musters.

Foto: Irena Mirer Artzi

Hast du ein Vorbild?
Am stärksten haben mich Viktor & Rolf beeinflusst. Sie vereinen einzigartiges Design mit Prêt-à-porter und ihr Design ist immer frisch und innovativ.

Was findest du am Designberuf befriedigend bzw. unbefriedigend?
Ich genieße die Vielfalt der Stile, die einem als Designer zur Verfügung stehen. Es erstaunt mich immer wieder, wie unterschiedlich Design sein kann.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn, wie wichtig ist sie für dich?
Natürlich gibt es die. Es ist sehr wichtig, die handwerklichen Traditionen zu bewahren und Objekte herzustellen, die einzigartig sind. Aber ich glaube auch, dass es unsere Aufgabe als Designer ist, möglichst jeden zu erreichen, mit den Menschen zu kommunizieren und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Und um dies zu erreichen, kommen Sie um die Serienproduktion nicht herum.

Worauf kannst du beim Arbeiten auf keinen Fall verzichten?
Ich halte gerne Ordnung. Es stört mich sehr, wenn an meinem Arbeitsplatz alle möglichen Dinge umherliegen.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Die Veranstaltung ist eine großartige Gelegenheit für mich, meine Arbeiten vorzustellen, als Designer präsentiert zu werden und interessante und einflussreiche Menschen aus aller Welt kennenzulernen.

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