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Haptische Lampen und Teppiche aus Modeabfällen:
Pure Talents Contest 2018

Foto: Sophia Buhné

Junge Designer stellen die Welt gerne mal auf den Kopf. Im Falle des Nachwuchswettbewerbs der internationalen Einrichtungsmesse imm cologne kann man sich das gut gefallen lassen, denn die in Form von Prototypen vorgestellten Ergebnisse sind nicht nur spannend und inspirierend, sondern auch schön anzusehen. Und oft genug auch ausgesprochen brauchbar, wie die Erfolgsgeschichte vieler ehemaliger Wettbewerbsbeiträge des Pure Talents Contest beweist. Das findet auch Designer Harry Paul van Ierssel (Studio Harry-Paul, Barcelona): „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass auf dem Pure Talents Contest gezeigte Projekte anschließend von sehr bekannten Markenherstellern produziert wurden. Das hat mich dann sehr gefreut, denn es zeigt, dass wir einen guten Job gemacht haben. Und darauf kommt es doch an.“ Sophia Buhné mit ihrem Honeycomb Carpets und Umberto Garcia mit seiner Leuchte Varjo haben ihren Job zumindest so gut gemacht, dass sie zu imm cologne 2018 eingeladen wurden.

Einen schweren Job hatte auch die Jury bei der Auswahl der 20 Nominierten, meint auch Architonic-Geschäftsführer Tobias Lutz aus Zürich: „Ich bin in vielen Jurys und das Niveau des Pure Talents Contest ist mit das höchste das ich kenne, denn es ist eine große Kunst, gute Beiträge zu bekommen. Und das gelingt der imm cologne aufgrund ihres Renommees wirklich gut. Ich bin erstaunt, dass man immer noch was Neues erfinden und designen kann.“

 

Modisch Teppiche aus Modeabfällen: Honeycomb Carpets von Sophia Buhné

In ihrem Hamburger Atelier entwirft und webt Sophia Schulz ihre einzigartigen Teppiche, die durch aufregende Strukturen und Materialkombinationen überraschen. Auf klassischen Webstühlen interpretiert sie den Teppich neuzeitgemäß und nachhaltig mit natürlichen und recycelten Materialien aus der Modeindustrie. Mal opulent, mal zurückhaltend nordisch, immer außergewöhnlich und ästhetisch.

 

Pure Talent’s Voice mit Sophia Buhné

Warum bist du Designerin geworden?
Weil ich es liebe, zu gestalten. Schon im Kindergarten habe ich unentwegt gemalt, später dann dauernd mein Zimmer umgestaltet (oder getauscht) und die Wände mit viel Farbe umgestrichen. Während meiner Ausbildung zur Malerin und Lackiererin in einem tollen Traditionsunternehmen habe ich mit den qualitativ hochwertigsten Materialien und Techniken gearbeitet, wodurch sich meine Passion für Flächengestaltung entwickelt hat. Danach war das Studium des Textildesigns genau das Richtige für mich, weil dort Handwerk und Design zusammenfließen.

Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift?
Nein nicht unbedingt, ich nehme ihn gerne, um neue Patronenmuster für den Webstuhl zu entwickeln.

Foto: Sophia Buhné

Hast du Vorbilder?
Mich interessieren Frauen wie Anni Albers, Gunta Stolzl und Otti Berger, die sich mit der Weberei am Bauhaus durchgesetzt und erfolgreich produziert haben.

Macht Design glücklich?
Der Prozess kann nervenraubend und aufregend zugleich sein. Ich bin glücklich, wenn es am Ende gelingt.

Was findest du am Designberuf befriedigend und/oder unbefriedigend?
Befriedigend ist für mich, dass ich mich gestalterisch ausdrücken kann. Andererseits kann es schwierig sein, darauf eine Existenz aufzubauen.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Manchmal wünsche ich mir einen zusätzlichen Arm zum Weben, der montiert werden kann, wenn er gebraucht wird.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Es ist eine tolle Chance, Kontakte zu knüpfen und andere Hersteller und Designer kennenzulernen. Vor allem aber freue ich mich darauf, die eigene Arbeit einem so großen Publikum zu zeigen.

 
 

Haptische Lampe: Varjo von Umberto Garcia

Sie besteht aus sechs verschieden großen Ringen. Durch eine Reihe von Schlitzen in jedem Ring verlaufen elastische Bänder, die den Lampenschirm bilden. Die Ringe sind nicht fixiert, sondern können frei nach oben oder unten verschoben werden. So kann die Konfiguration der gesamten Lampe verändert werden und die Lichtintensität variiert werden. Der Benutzer kann wählen, wie viel Licht durchgelassen und wie viel abgeschirmt werden soll.

 

Pure Talent’s Voice mit Umberto Garcia

Warum bist du Designer geworden?
Soweit ich mich erinnere, habe ich mich bereits in sehr jungen Jahren dem Design genähert. Zusammen mit meiner Mutter und meinem Vater, einem Architekten und Designer, verbrachten wir ganze Wochenenden damit, Skizzen zu zeichnen, zu malen und zu basteln. Manchmal war nicht genug Papier da, also ging ich zur Wand- bzw. Tapetenmalerei über (sehr zur Freude meiner Mutter natürlich). Dann wurde mir eine komplette Wand in unserem Haus zur Verfügung gestellt, die ich nach Belieben dafür nutzen konnte. Als Kind war ich von allen möglichen Gegenständen fasziniert. Schon das kleinste Objekt hat meine Neugierde geweckt. Designer zu werden, war somit eine direkte Folge meiner Erziehung und der in dieser geförderten Sensibilität.

Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem dir schon mal etwas Gutes eingefallen ist?
Bialetti kam auf die Idee des Espresso, während er eine Gruppe von Frauen beobachtete, die Wäsche im Fluss wuschen. Man benutzte zu jener Zeit einen großen Bottich, der in der Mitte mit einem hohlen Rohr versehen war, das als „lisciveuse“ bezeichnete wurde. Diese Konstruktion hat er dann in seiner Kaffeemaschine aufgegriffen. Dies ist ein Beispiel dafür, wie man durch bloße Anschauung und Beobachtung eine Idee entwickeln kann. Einige meiner Projekte wurden durch den Mechanismus von Objekten inspiriert, die aus einem anderen Kontext zu kommen scheinen. Ich hatte zum Beispiel die Idee für ein Tablett, als ich mir die kleine Tasse eines Fischers anschaute. „Die Ideen gründen immer in den Dingen“, sagte William Carlos Williams. Dem stimme ich voll zu. Der Rest ist dann Kreativität.

Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift? Oder arbeitest Du digital?
Am Anfang eines Projektes benutze ich den Bleistift. Er ist ein empfindsameres Medium als der Computer. Allerdings ist es heutzutage von entscheidender Bedeutung, über gute Kenntnisse in der Anwendung von Computerprogrammen zu verfügen. So kann man erstaunliche Ergebnisse mit weitaus weniger Aufwand erzielen und die Kontrolle über die Oberflächengeometrie ist absolut. Aber manchmal führt dies am Ende zu einem Mangel an Menschlichkeit. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ein großer Teil meiner Arbeit heute nicht digital ist … Aber ich denke immer noch, dass der Bleistift das erste Werkzeug ist, das ein Designer beherrschen muss.

Foto: Umberto Garcia

Hast du ein Vorbild?
Ich wurde in Italien ausgebildet, der Heimat des Made in Italy und der großen Designer. Es mag nicht besonders originell sein, aber wenn es jemanden gibt, den ich als Vorbild bezeichnen würde, dann sind es wohl die Brüder Castiglioni. Als ich mich mit ihnen beschäftigte, wurde ich von ihrer Sensibilität, ihrer Zartheit und Poesie mitgerissen. Ihre Begeisterung für jedes ihrer Projekte ist einfach ansteckend. Und ihre Lektion, nichts für selbstverständlich zu halten, ist unbezahlbar. Danach traf ich Ingo Maurer, Daan Rosegaarde, Paul Cocksedge und viele andere mehr. Aber die meisten meiner Projekte lassen sich im Grunde immer noch auf Achille Castiglioni zurückführen. Es gibt eine direkte Verbindung von meinem Varjo zu der Parentesi-Lampe.

Macht Design glücklich?
Der kreative Prozess an sich besteht sowohl aus Glückseligkeit als auch aus Traurigkeit, aus Freude wie aus Angst. Denn auch wenn die Arbeit eines Designers hauptsächlich auf die Serienproduktion abzielt, so steht hinter den Entwürfen für diese Produkte immer ein individueller Geist mit einem ganz eigenen Hintergrund und eigenen Erfahrungen. Deshalb ist es auch etwas ganz Persönliches, mit einem Produkt käuflich erhältlich zu sein. Die damit verbundenen Gefühle sind eine echte Herausforderung für einen Designer. Um es mit Vico Magistrettis Worten zu sagen: „Es wird immer Design geben, weil die Ideen dazu immer vom Individuum ausgehen und das Individuum nicht abgeschafft werden kann.“

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Die Teilnahme an der imm cologne ist eine großartige Gelegenheit, meine Arbeit bekannter zu machen und Feedback von Kollegen und aus der Industrie zu erhalten. Und sie ist ein Ansporn, an meinen Projekten weiterzuarbeiten.

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