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Flexibilität für Augen und Rücken:
Pure Talents Contest 2018

Foto: Hiroyuki Morita

Auf der Sonderausstellung „Pure Talents Contest“ in Halle 3.1 der imm cologne sind clevere Produktkonzepte, ausgefallene Ideen und solides Handwerk in einer Vielfalt zu sehen, die vom ultra-schlichten Möbel über textile Arbeiten, Wohnaccessoires und Leuchten bis hin zu konzeptionellem Design alles zeigt, was in der Einrichtungswelt seinen Platz hat. Heute stellen wir euch die Leuchte 60° von Wansing und Jakobs vor sowie die Sitzmöbel Cellastic und Temi von Hiroyuki Morita.

„Die Bandbreite der Einreichungen ist erstaunlich groß. Der eine legt den Fokus auf das Material, der andere auf das Konzept oder auf die industrielle Funktionalität“, zeigt sich Jury-Mitglied und Designerin Rianne Makkink vom Rotterdamer Studio Makkink & Bey beeindruckt. „Es ist sehr international, und das ist etwas, was ich sehr mag. Dabei scheint es fast unmöglich, 20 Nominierte aus den über 800 Einreichungen auszuwählen.“

 

Wenn das Gestell zur Leuchte wird:
60° von Svenja Katharina Wansing und Jonas Jakobs

Wie simple, multifunktionale Werkstattleuchten mit Haken und Hand in verschiedene Positionen gebracht werden, ist 60° durch einen Winkelschnitt und einen Schleifkontakt flexibel einsetzbar. Die Elemente versorgen sich gegenseitig mit Strom, bilden Leuchte und Gestell zugleich. Durch die geringe Anzahl an Elementen lässt sich das System problemlos erweitern. Eine Vielzahl konventioneller Beleuchtungslösung mit skulpturalem Charakter lassen sich generieren.

 

Pure Talents Voice mit Wansing und Jakobs

Warum seid ihr Designer geworden?
Wansing: Ich bin fasziniert von Dingen. Eigentlich schon immer. Dinge die man anfassen, drehen und wenden kann.
Jakobs: Ich bin nicht Designer geworden, sondern war es irgendwie schon immer. Ich hab schon immer gerne gestaltet, gebaut, gebastelt und entworfen. Aus der anfänglichen Leidenschaft für das Kreative entstand im Laufe der Zeit die Entscheidung, die berufliche Laufbahn des Designers einzuschlagen. Besonders gereizt hat mich die Möglichkeit beim Gestalten die Ästhetik und die Funktionalität in Einklang zu bringen und somit nicht nur „schöne Dinge“ zu entwerfen, sondern Produkte die funktional und ästhetisch sind.

Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift?
Jakobs: Ja, auf jeden Fall! Bei mir beginnt alles damit, dass ich mich hinsetzte Papier und Stift zu Hand nehme und erste Ideen und Scribbles mache. Ich finde es auch wichtig, gerade in der heutigen digitalen Welt das Handwerk bzw. das Analoge nicht zu vergessen und dieses auch zu nutzen.

Macht Design glücklich?
Wansing: Wenn das, worauf man hinarbeitet dann wirklich funktioniert oder sich alles so zusammenfügt, dass es schlüssig ist, bringt das Glücksmomente. Aber Design für sich macht nicht dauerhaft glücklich, vielleicht ein Grund dafür immer weiter zu machen.
Jakobs: Mich macht Design glücklich. Mich macht es glücklich Dinge zu gestalten, sie zu hinterfragen, sie neu zu interpretieren und sie in einem neuen Zusammenhang zu stellen und zu sehen.

Svenja Katharina Jakobs und Jonas Wansing

Was findest du am Designberuf befriedigend und/oder unbefriedigend?
Wansing: Es ist toll zu sehen, wie sich ein Konzept in ein Produkt verwandelt, physisch wird und dann wirklich in der Welt vorhanden ist.
Jakobs: Mir gefällt am besten, dass man alle Regel brechen und seine Fantasie frei ausleben darf. Hinzu kommt, dass dieser Beruf täglich neue Erfahrungen und Eindrücke mit sich bringt und man täglich neue Dinge lernt und erlebt. Ich glaube, dass die Einstellungen, wenn man ein Ding gestaltet, die Leidenschaft, der Mut, in dieses gestaltete Ding übergehen und im besten Falle sogar dem Benutzer bewusst werden.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn, wie wichtig ist sie für dich?
Wansing: In jedem Fall. Das ist doch gerade etwas Spannendes. Bspw. eine Ausstellung oder ein Objekt nur für einen Ort, einen bestimmten Zeitraum oder zu einem Thema zu gestalten.
Jakobs: Definitiv. Design sollte für jedermann sein und da jeder Mensch individuell ist, hat er somit andere Ansprüche, Bedürfnisse und ein anderes ästhetisches Empfinden. Serienproduktion hat viele Vorteile, wird aber nicht der Individualität gerecht.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Wansing: Wenn ich das wüsste, würde ich es erfinden.
Jakobs: Teleportationsmaschine

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Wansing: Die imm ist neben dem Salone Internazionale del Mobile in Mailand die wichtigste Möbelmesse der Welt. Gerade jetzt in den Endzügen meines Studiums ist das eine gute Gelegenheit neue Kontakte zu knüpfen und meine Arbeit publik zu machen.
Jakobs: Ich sehe das als große Chance, um verschiedene Kontakte zu knüpfen, andere Designer und ihre Sichtweisen kennen zu lernen und interessante Gespräche zu führen mit ganz verschiedenen Menschen.

 
 

Sitzerlebnis, gegossen und geflochten:
Cellastic und Temi von Hiroyuki Morita

Der Lounge Chair stützt den Körper hervorragend aufgrund seiner elastischen Konstruktion.
Foto: Hiroyuki Morita

Die Konstruktion des Sessels Cellastic basiert auf der Verwendung von Latex in Kombination mit einer speziellen Anordnung von Nylonfäden zur Steuerung der gewünschten Elastizität. Diese ermöglicht jedem Benutzer ein individuell auf seinen Körper einstellbares angenehmes Sitzerlebnis. Dabei ist das Fadenmuster von der sogenannten Zellfolge inspiriert. Es ging mir vor allem darum, etwas wirklich Neues in dem von vielen Designern bereits intensiv bearbeiteten Sitzmöbelbereich zu entwickeln. Dem folgte die Auswahl der charakteristischen Materialien.

Sein zweites Sitzmöbel, Temi, ist von einem traditionellen Erntewerkzeug inspiriert, das zum Sortieren des Korns nach Qualität verwendet wurde. In dem Projekt wird das Werkzeug – das bereits in seiner traditionellen Funktion präzise an den menschlichen Körper angepasst war – in einer vereinfachten Bauweise und mit reduziertem Materialeinsatz als Stuhl neu interpretiert.

 

Pure Talent’s Voice mit Hiroyuki Morita

Hiroyuki Morita

Warum bist du Designer geworden?
Als ich 9 Jahre alt war, habe ich einen Entwurf produziert, natürlich ohne zu bemerken, dass es sich da bereits um „Design“ handelte. Es war ein Stuhl für meinen Vater. Und so öffnete sich schon früh eine Tür zum Design.

Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem dir schon mal etwas Gutes eingefallen ist?
Auf einem Antiquitätenmarkt sah ich einmal, wie ein traditioneller Weidenkorb auf einer kleinen Holzkiste stand – und damit genau in Höhe der Sitzfläche eines Stuhls. Und das brachte mich auf die Idee mit dem Temi-Stuhl.

Macht Design glücklich?
Design ist nicht auf die Nutzung durch Unternehmen beschränkt. Ich liebe es, „Design“ und Möglichkeiten für Design außerhalb kommerzieller Anwendungen zu entdecken.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn ja, wie wichtig ist sie für dich?
Diese Welt gibt es und sie ist genauso wichtig für mich wie die Welt der industriellen Produktion. Es gibt vielfältige Möglichkeiten, diese Sphären miteinander zu verbinden und Synergieeffekte zu schaffen.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Nichts. Das Wort „dringend“ ist im Design so wie etwas wie eine Falle. Und ich mag es auch nicht, Ideen in meinem Notizbuch anzusammeln.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Er bedeutet die Möglichkeit, das Potential eines Designers zu zeigen, der einen eigenen Weg gewählt hat, um ein radikales Konzept zu entwickeln. Weiterhin die Chance, gute Beziehungen zu den anderen Wettbewerbsteilnehmern aufzubauen und mit ihnen gemeinsam neue Wege für das Design unserer Generation aufzuzeigen. Und schließlich die Gelegenheit, eine gute Partnerschaft mit Marken und Herstellern zu begründen, die man noch nie zuvor getroffen hat, um so Möglichkeiten für neue Designs umzusetzen.

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