Discover interior ideas » Events » Pure Talents Contest » Beziehung zwischen Mensch und…

Beziehung zwischen Mensch und Objekt:
Pure Talents Contest 2018

Foto: Xiang Guan

Brauchen wir eigentlich das Möbel, oder braucht das Möbel uns? Dieses Jahr machten die jungen Designer auffällig häufig die Beziehung von Mensch und Objekt zum Thema: Die Zeit, der Nutzer selbst und fast vergessene Handwerkskünste – all das nimmt bei den diesjährigen Gewinnerbeiträgen des Pure Talents Contest Gestalt an. Zwei davon stellen wir Ihnen heute vor: Den Israeli Yohay Alush und Xiang Guan aus China.

Beim kommenden Pure Talents Contest geraten Dinge in Bewegung: Wie etwa eine Uhr, die die Zeit räumlich anzeigt, eine Leuchte, die ein Lichtfenster über die Wand wandern lässt, oder vermeintliche Outdoor-Monstermöbel, die ihren Sinn und ihre Funktion erst bei Inbe(sitz)nahme enthüllen. Schlangenartige Leuchten, käferartig schillernde Oberflächen und Teppiche in gewebter Bienenwaben-Struktur bevölkern die 15. Ausgabe des Pure Talents Contest auf der imm cologne 2018. Daneben stehen einige fast schon stoisch wirkende, betont praktische Produkte wie Tisch, Tisch-Box und Bank. Zum Dranarbeiten, Reinpacken und Draufsitzen – und mehr nicht.

 

Der Mensch in Interaktion mit dem Möbel:
Nocturnal Beasts von Yohay Alush

Nocturnal Beasts (Nachtaktive Tiere) sind eine Gruppe von drei Möbeln und eine Mischung aus mythischen Tieren und moderner Stadtmöblierung.
Foto: Yohay Alush

Jedes der Möbel erfüllt seine ganz eigene Funktion und jede dieser Funktionen gibt eine Antwort auf die Bedürfnisse ihrer Benutzer. So bieten ihnen die Möbel in den Abend- und Nachtstunden gleichzeitig Wärme, Licht und Klangerlebnisse. Das Projekt „Nocturnal Beasts“ erneuert ein uraltes Ritual durch ein innovatives Konzept. Es zielt darauf ab, eine enge Bindung zwischen dem Benutzer und dem Produkt zu schaffen. Die Nutzer hauchen dem Objekt Leben ein. Sie sind die wahren Erzeuger der Produkte und der sozialen Energie.

PACA ist ein Betonsitz mit einer eigenen Smartphone-Halterung. So kann der Benutzer seine Musik mit seinen Freunden teilen. MOE ist ein Lounge-Sessel mit Pedalen. Der Benutzer erzeugt die Straßenbeleuchtung mithilfe der Pedale, eines Dynamos und eines Ladegeräts. BENTZ ist eine Betonbank, die oberhalb der Abluft eines Kaminofens positioniert ist. Die Benutzer sammeln Holz und entfachen damit ein Feuer im Inneren des Ofens. So erwärmt sich die Betonbank.

 

Pure Talent’s Voice mit Yohay Alush

Warum bist du Designer geworden?
Als Kind der 90er Jahre war mein Lieblingsfilm „The Brave Little Toaster“, ein Zeichentrickfilm mit Elektrogeräten, die alle ihre eigene Persönlichkeit haben. In gewisser Weise inspirierte mich das Anschauen dieses Films dazu, sensibler auf die mich umgebenden Objekte zu reagieren und später Produkte zu entwerfen, die dieselben Gefühle im Herzen ihres Besitzers auslösen.

Hast du ein Vorbild?
Salman Rushdie und seine Fähigkeit, eine Welt zu erschaffen, die auf so natĂĽrliche Weise eine Mischung aus Realität und Fantasie ist, ist fĂĽr mich eine Art Vorbild. Die LektĂĽre seines Buches „Midnight’s Children“ hat meine Art zu denken beeinflusst. Der gleiche dualistische Ansatz ist ein wesentlicher Aspekt in meinen Arbeiten.

Macht Design glĂĽcklich?
Das Wort „Design“ hat unglaublich viele Bedeutungen. Die Arbeit eines Designers kann erhebend sein, aber auch frustrierend. Wenn ich aber eine Sache benennen mĂĽsste, wegen der ich diese Arbeit liebe, ist es die Tatsache, dass es dabei ganz um das Erzählen von Geschichten geht und Design einen mitnimmt auf eine Reise durch Formen, Farben und Materialien.

Foto: Yohay Alush

Was findest du am Designberuf befriedigend bzw. unbefriedigend?
Was mich an der Arbeit als Designer am meisten befriedigt, ist, dass ich manchmal bestimmte Ideen, die mich während des Entwurfsprozesses inspiriert haben, so versteckt in das Objekt einbringen kann, dass nur ich sie wahrnehme.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn ja, wie wichtig ist sie fĂĽr dich?
Auch nach 4 Jahren Ausbildung im Industriedesign glaube ich, dass die Welt jenseits des Designs für in Serie hergestellte Produkte liegt, nämlich in der IMPROVISATION. Mein Vater ist für mich das beste Beispiel für jemanden, der nie Kunst oder Design studiert hat, aber dennoch die Fähigkeit besitzt, nur mit seinem Geführ für Improvisation wunderbare und nützliche Objekte für sein eigenes Heim und seine Familie zu schaffen.

Was mĂĽsste dringend einmal erfunden werden?
Wir brauchen eine dritte Hand! Zumindest aber müssen wir dringend ein Produkt entwickeln, das unser Smartphone für uns hält und es uns erlaubt, den Weg unserer Evolution weiter zu gehen, indem es uns unsere beiden Hände wiedergibt.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne fĂĽr dich?
Als ich meinen Freunden in Israel mein Projekt vorstellte, waren die nostalgischen und lokalen Werte, die die Grundlage des Projekts bildeten, etwas, das auch sie nachvollziehen konnten. Die Teilnahme an der imm cologne ist vor allem deshalb faszinierend für mich, weil es mich sehr interessiert, welche Werte Menschen aus verschiedenen Ländern und mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund wahrnehmen können.

 
 

Symbiotische Beziehung zu Tisch und Stuhl:
Symbiotic Objects von Xiang Guan

Ein neuer Blick auf die Beziehung zwischen Mensch und Objekt.
Foto: Xiang Guan

Symbiotic Objects zielt darauf ab, Menschen dazu zu bewegen, ihre Sichtweise auf Alltagsgegenstände wie beispielsweise Tische und Stühle zu hinterfragen und zu verändern. Die Frage lautet: Was wäre, wenn sie tatsächlich eine symbiotische Beziehung zu ihren Alltagsgegenständen hätten? Wenn es diese Symbiose gäbe, würden wir dann mehr Sinn und Möglichkeiten in diesen Gegenständen finden? Würden wir sie immer noch so schnell wegzuwerfen? Und könnten wir unnötigen Abfall vermeiden – im Sinne einer nachhaltigen Welt?

 

Pure Talent’s Voice mit Xiang Guan

Warum bist du Designer geworden?
Die Welt um uns herum konfrontiert uns jeden Tag mit lauter unzufriedenstellenden Dingen und Problemen. Als Designer haben wir die Möglichkeit, Probleme zu lösen, Kritik zu üben und Menschen zu erreichen.

Braucht ein Designer heute noch einen Bleistift? Oder arbeitest Du digital?
Ich würde schon sagen, dass ein Bleistift wichtig ist, aber eher dazu, um die allerersten Ideen für die Erinnerung festzuhalten. Ich arbeite hauptsächlich digital.

Hast du ein Vorbild?
Ich habe kein besonderes Vorbild, aber es gibt eine ganze Reihe von Künstlern und Designern, die ich sehr mag. Sie alle haben ihren ganz eigenen Charakter und von allen habe ich viel gelernt – da ist zum Beispiel Konstantin Grcic, der industrielle Fertigung und große Schönheit zusammenbringt. Oder Donna und Ruby, von denen man lernen kann, die Dinge aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten und dass im Grunde alles spekulativ ist. Oder Heatherwick (Es gibt keine Unterschiede für einen Designer) und Dominic Wilcox (alles im Leben ist kreativ, jeden Tag, spiele wie ein Idiot).

Foto: Xiang Guan

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn, wie wichtig ist sie fĂĽr dich?
Das würde ich schon sagen, denn heutzutage entwickeln sich die technologischen Möglichkeiten ja rasant, so dass viele Dinge und Informationen gar nicht mehr unbedingt in klassischen Produktionsverfahren gefertigt müssen, sondern digital hergestellt und geliefert werden können. Dies sind Werkzeuge, die uns helfen, das Design voranzubringen. Wichtig ist mir immer die Frage, wie ich meine Design-Philosophie in die Welt bringen und Möglichkeiten schaffen kann, die dem menschlichen Zusammenleben und der Natur nutzen.

Worauf kannst du beim Arbeiten auf keinen Fall verzichten?
Etwas, worauf ich niemals verzichten könnte, sind die beiden Befehle Strg+Z und Strg+S. Ersterer um sicherzustellen, dass ich die letzten Ideen für einen Entwurf direkt wieder ändern kann, der zweite um sicherzustellen, dass meine Ideen nicht verloren gehen.

Was mĂĽsste dringend einmal erfunden werden?
Meiner Meinung nach müssten dringend schnellere Transportmittel erfunden werden. Heutzutage ist so vieles globalisiert. Wir brauchen schnellere Transportmittel, die es uns ermöglichen, auch international von Angesicht zu Angesicht kommunizieren zu können.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne fĂĽr dich?
Zuerst einmal möchte ich mich bei den Organisatoren für die Einladung bedanken. Die darin zum Ausdruck kommende Wertschätzung macht mich sehr stolz. Die Teilnahme an der imm cologne ist etwas ganz Besonderes für einen Designer. Sie ist eine hervorragende Plattform, um meine Philosophie von Design mit der Welt zu teilen und sie ist auch eine sehr gute Gelegenheit, Kritik und Anregungen von Menschen aus aller Welt zu erhalten. Ich kann kaum erwarten, dass es losgeht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.