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Furnier: Vielseitige Optik – vielseitig verwendbar

Foto: IFN, Roser AG, Gehri AG

Furnier gehört zu den ältesten Dekoren für wertige Oberflächen. Bereits im alten Ägypten wurde preiswertes Trägerholz mit dünnen Schichten ausgesuchter Edelhölzer, damals insbesondere Vogelaugen-Ahorn, eingekleidet. Die unterschiedlichen Baumarten erzeugen sehr differenzierte Furnierbilder, die teilweise selbst innerhalb einer Baumart stark variieren. Und die sogar Geschichten erzählen können. Wie etwa das Furnier der venezianischen Lagunen-Eiche. Die hierfür verwendeten Eichenpfähle werden an Bootsanlegestellen oder als Fahrrinnenmarkierung in den Meeresgrund gerammt. 10 bis 25 Jahre sind sie dann den rauen Bedingungen des Meeres ausgesetzt, wo ihnen Wellengang, Salz und Muscheln ein geschichtsträchtiges Aussehen verleihen. Das Erscheinungsbild eines Furniers kann aber auch von Menschenhand durch besondere Verarbeitungstechniken mitgezeichnet werden – wie etwa beim Trüffelfurnier von Mehling & Wiesmann. Dazu sucht sich das Unternehmen bewusst von Pilzen befallene Buchenstämme und erzeugt durch eine spezielle Pilzmodifikation auf der gesamten Länge des Stammes Zeichnungen und Verfärbungen im Holz. Die strukturstarken und marmorähnlichen Hölzer weisen einen besonders lebendigen Kontrast auf. So lässt sich Furnier durch seine variantenreiche Optik und die feine Haptik zu sehr individuellen Möbeln gestalten.

Foto: Pia Kintrup

Gerade wegen dieser Kombination hat sich Tim zum Hoff bei seinem Sekretär „Kabinett“ für Walnussfurnier entschieden. Das besondere an seinem Objekt: Durch sanftes Streichen über die Oberfläche wird die Beleuchtung des Sekretärs gesteuert. „Das Walnussfurnier passt farblich gut zu der Lichtstimmung im Setzkasten“, erläutert zum Hoff seine Wahl. Zudem bildet es durch seinen organischen Wuchs einen schönen Kontrast zur Geradlinigkeit des Sekretärs.“ Das Furnier ist hier also Oberflächengestaltung und Steuerungselement in einem und bedient zwei Sinne gleichzeitig: Der Nutzer erfühlt die durch die feinporige Struktur haptisch angenehme Oberfläche und kann gleichzeitig die Lichtsituation beeinflussen.

Foto: Lasfera

Noch näher an der Symbiose aus Furnier und Licht ist der Kölner Möbelhersteller Lasfera mit seinen Furnierlampen. Das Naturmaterial dient hierbei als Schirm und Ständer und kann raumgreifende Ausmaße annehmen. „Für die Lampen verwenden wir Furniere aus Eiche, Ahorn und Walnuss“, erklärt der Designer und lasfera-Geschäftsführer Henri Garbers. „Die klassische Optik der Lampen ist zeitlos und das schöne Furnier kommt in seiner natürlichen Beschaffenheit voll zur Geltung. Ganz wichtig ist uns dabei, dass sämtliche Bestandteile der Leuchten aus deutscher Produktion stammen.“ Die Lampen gibt es als Boden-, Tisch- und Deckenleuchten.

Foto: LignoTUBE

Aber das an sich fragile Furnier kann auch ganz anders – als hochstabiles Holzrohr von bis zu sechs Metern Länge und einem Durchmesser bis zu zwölf Zentimetern. In der Theorie klingt es ganz simpel: Man nehme feines Furnier in Form von Furnierrollen, forme es zu Röhren, verleime diese mit Industriekleber und man erhält diese hochstabilen Holzrohre. „Doch ganz so einfach war die Umsetzung nicht“, erklärt Geschäftsführer Curt Beck von der Dresdener Firma Lignotube Technologies. „Bis wir das Produkt serienreif hatten, hat es knapp drei Jahre gedauert.“ Die Röhren bestehen überwiegend aus Esche, Eiche oder Walnuss aus Europa und Nordamerika. „Die gewichtsbezogene Stabilität der Lignotubes ist vergleichbar mit der von Aluminium. Letzten Endes bleibt es aber Holz, sodass wir eher von einer neuen Werkstoffklasse ausgehen: von Holzrohren“, erklärt Beck. Und so eignet sich Furnier nicht nur zur Gestaltung von Oberflächen, sondern beispielsweise auch für eine Tischunterkonstruktion.


Doch auch wenn mit Furnieren in erster Linie mit Möbeln in Verbindung gebracht werden, lässt sich der Werkstoff sehr vielseitig verwenden. So können aus alltäglichen Gebrauchsartikeln Lifestyleprodukte mit unikatem Charakter werden. Dabei sind der Fantasie praktisch keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, Autointerieurs zu verzieren oder Brillen, Boards, Badewannen, Mousepads oder gar Schuheinlagen zu gestalten.

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