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Designed by Nature:
Möbel aus natürlichen Rohstoffen

Foto: Danielle Trofe

Die Natur ist verschwenderisch, produziert im Überfluss. Doch was sie im Überfluss produziert, verwertet sie auch vollständig wieder. Der Mensch produziert ebenfalls im Überfluss. Allerdings ist vieles davon nicht wiederverwertbar und kann auch nicht ohne weiteres entsorgt werden. Das gilt auch für die Interior-Branche. Dennoch gibt es immer mehr Menschen, die sich dem Kreislauf der Natur bedienen.

Foto: Šimon Kern

Dazu zählt etwa der tschechische Designer Šimon Kern. Sein Beleaf Chair folgt dem Prinzip der Natur, dass es keine Abfälle, sondern nur Wertstoffe gibt, die am Ende ihres Seins den Beginn für etwas Neues darstellen. Die Idee dazu kam Kern in einem herbstlichen Park. Hier fallen jährlich Tonnen an Laub an, die Entsorgt werden müssen. Anstatt sie zu verbrennen, hat der Prager Designer die vergilbten Blätter mit einem Bio-Harz gemischt und daraus eine Sitzschale gepresst. „Mein Projekt konzentriert sich auf die praktische Anwendung von Blätterabfall aus den Städten für die Möbelindustrie, um weg von Kunststoff hin zu einer nachhaltigeren Lösung zu kommen“, erklärt Kern. Entsorgungslösung für die städtischen Gärtnereien inklusive.

Foto: Tamara Orjola

Auf eine etwas andere Weise hat sich die lettische Designerin Tamara Orjola mit Baumabfällen beschäftigt. In der Holzindustrie werden jährlich allein in Europa 600 Millionen Kiefern verarbeitet. Wenn man bedenkt, dass etwa 20-30 Prozent der Baummasse aus Nadeln besteht, ist das eine ganze Menge Abfall. Mittels Zerhacken, Einweichen, Dämpfen, Karrieren und Pressen lassen sich weichen Fasern aus den Nadeln herausarbeiten, die dann als Grundlage für Textilien dienen können. Gemeinsam mit der deutschen Designerin Katherina Jebsen ist aus diesem Material eine interessante Arbeit mit dem Titel „Forest Wool“ entstanden.

Foto: Danielle Trofe

Dass sich landwirtschaftliche Nebenprodukte zur Herstellung von Inneneinrichtungsgegenständen eignen können, zeigt die New Yorker Designerin Danielle Trofe. Sie stellt aus Getreidehalmen und Schalen von Getreidekörnern Lampenschirme her. Hilfe erhält sie dabei von einem Pilz. Denn mittels Pilzmy¬zelien (also den fadenförmigen Zellen eines Pilzes) wachsen diese in eine Form gepressten Agrar-Reststoffe zusammen. Bereits nach einigen Tagen ist der Lampenschirm „ausgewachsen“. Er wird erhitzt, getrocknet und mit einer biologisch abbau¬baren Farbe auf Milchbasis beschichtet. Dadurch erhält der Lampenschirm sein ansehnliches weiß und wird zudem auch noch wasserabweisend.

© Full Grown, Foto: Neil Hanna

Gavin Munro aus England hat direkt komplette Möbel wachsen lassen. Massenproduktion in Biofabrikation also, ohne Bretter zu sägen oder Holz zu leimen. Über 400 solcher selbst wachsender Möbel hat er derzeit auf seinem Feld in Derbyshire angepflanzt. Dazu werden die Äste mit Drähten oder Kabelbindern in zuvor definierten Formen fixiert und so die Wachstumsrichtung vorgegeben. Allerdings beträgt die Wartezeit bis zur Möbelernte, je nach Größe und gewünschter Stabilität, bis zu sechs Jahre. Danach müssen die Exemplare noch ein Jahr in der Tischlerei trocknen, bevor die einzigartige Holzoptik durch einen besonderen Schliff herausgearbeitet wird. Wer sich also selbst sein Möbel wachsen lassen will, braucht Zeit. Kleiner Tipp: Weiden eignen sich besonders gut für diese Art der Möbelherstellung, da sie sehr schnell wachsen.

Foto: Tessa Silva-Dawson

Als besonders problematisch in Herstellung und Entsorgung gelten Kunststoffe. Dabei gibt es mittlerweile eine ganze Reihe Alternativen zur erdölbasierten Variante. Und diese sind häufig ebenfalls aus natürlichen Abfallprodukten hergestellt. Beispielsweise aus Abfällen der Schlachtindustrie, der Landwirtschaft oder der Milchproduktion. Dabei sind beispielsweise Casein-Kunststoffe bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts bekannt. Als Basis hierfür dient abgelaufene oder für den Handel unbrauchbare Milch, die normalerweise vernichtet wird. Bei der sauer gewordenen Milch bilden sich weiße Flocken an der Oberfläche, die abgeschöpft werden. Das sogenannte Casein lässt sich einfach in Form pressen. Getrocknet fügt sich das natürliche Polymer zu einem festen Material zusammen und kann – ähnlich wie ein Duroplast – weiter bearbeitet werden. Wiederentdeckt hat diesen Kunststoff unter anderem die Londoner Designerin Tessa Silva-Dawson, die daraus ihre Serie „Protein“ geschaffen hat. Dennoch kommt es auf die chemische Struktur an, ob ein Kunststoff biologisch abbaubar ist oder nicht. Bei Biokunststoffen wird allerdings in der Regel auf eine unbedenkliche Entsorgung wert gelegt. Und ressourcenschonender ist er auf jeden Fall auch.

Weitere Informationen:
simonkern.sk
www.tamaraorjola.com
danielletrofe.com
www.fullgrown.co.uk
www.tessasilva.com

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