Discover interior ideas » Extras » Referenzprojekte » Interview mit Tassilo Bost: „Ich…

Interview mit Tassilo Bost: „Ich wollte die private Einkehr mit dem Ausblick auf den Hafen verbinden.“

Innenarchitekt Tassilo Bost © Westin
Innenarchitekt Tassilo Bost
© Westin

Bis zu ihrer Fertigstellung hat die Elbphilharmonie mit allerlei Schwierigkeiten kämpfen müssen. Doch ihre faszinierende Form, die raffinierte Wellen-Referenz auf das Wasser um sie herum sowie die Verbindung von altem Kaispeicher mit moderner Glas-Architektur machen sie bereits jetzt zu einem Wahrzeichen der Hamburger Hafencity. Doch auch im Inneren will das Gebäude Zeichen setzen – wie etwa bei dem Badkonzept des integrierten Hotels Westin. Im Interview spricht Tassilo Bost über seine Planung – und warum in einem Bad mit Ausblick die „Erhabenheit des Ortes“ fast zu einer erotischen Erfahrung werden kann.

Herr Bost, die Zusammenarbeit mit Westin für das Hotel in der Elbphilharmonie war sicherlich alles andere als gewöhnlich?
Unser Planungsbüro arbeitete schon vor dem Beginn der Planungen 2008 mit Westin zusammen. In diesem Fall war kein „Hotel von der Stange“ geplant, und wir konnten uns ganz auf die inhaltliche Auseinandersetzung mit der virtuosen Architektur von Herzog & de Meuron konzentrieren.

Welche Grundidee steckt hinter Ihrem Ansatz für das Westin?
Der lokale Bezug eines Hotels gewinnt zunehmend an Bedeutung und entspricht einem aktuellen Trend im Hoteldesign. Durch die Transparenz der Fassade reicht dieser Bezug zur Umgebung bei der Elbphilharmonie bis in den privaten Bereich der Bäder. Diese „extrovertierte Privatheit“ bildet dem Schlüssel zur einmaligen Erfahrung des Gastes.

Die Elbphilharmonie in der Hamburger Hafencity. © Westin
Die Elbphilharmonie in der Hamburger Hafencity.
© Westin

Von Ihnen stammt der Satz „Schau dir das Bad an, dann weißt du, was das (Hotel-) Zimmer taugt.“ Hat sich daraus Ihr radikaler Ansatz ergeben, die Bäder teilweise an die Fassade zu legen?
Eine Architekturikone an derart exponierter Stelle auf der einen und die Vitalität des Hafens auf der anderen Seite fordern eine selbstbewusste Idee. Wir wollen mit unserem Entwurf keiner Mode folgen. Mit Purismus und Transparenz richten wir den Fokus auf die besondere Qualität des Genius Loci.

Aber ist es nicht eigentlich ein Widerspruch zur effizienten Flächenausnutzung, Bäder direkt an der Fassade zu platzieren?
Das Bad ist wahrscheinlich der Ort, an dem sich der Gast am längsten bewusst aufhält. Hier findet der Mensch nach unserem Verständnis die besondere Ruhe für die Konzentration auf den einmaligen Ausblick.

Durch die extrovertierte Ausrichtung der Bäder zelebrieren Sie diesen Ausblick förmlich. Welche Bedeutung sehen Sie dabei das für das Hotel und insbesondere für den Gast?
Über die einzigartige Architektur hinaus wollen wir dem Besucher einen unverwechselbaren Moment der Einkehr bieten. Dieses intensive Erlebnis wird der Gast immer mit diesem Hotelaufenthalt in Verbindung bringen.

Bad mit Aussicht - Bad im Westin Hotel Elbphilharmonie © Westin
Bad mit Aussicht – Bad im Westin Hotel Elbphilharmonie
© Westin

Und was überwiegt bei diesem Erlebnis? Die Exklusivität des Standortes oder die Möglichkeit, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen?
Das wird von dem jeweiligen Menschen abhängen. Mir war es wichtig, den Widerspruch aus privater Einkehr und dem Ausblick auf die Lebendigkeit des Hafens zu verbinden. Natürlich spielt dabei die „Erhöhung des Ichs“, also die Erfahrung von Exklusivität und Luxus, eine entscheidende Rolle. Besonders im privaten Bereich der Bäder, am Ort der Entkleidung, führt diese „Erhabenheit des Ortes“ zu einer fast erotischen Erfahrung.

Was könnte der Widerspruch zwischen dem Wunsch nach privater Geborgenheit und der extrovertierten, fast exhibitionistischen Ausrichtung der Bäder auslösen?
Gerade diese Spannung erzeugt jenes unvergleichbare Gefühl, welches dem Gast diesen besonderen Moment gibt. Solche Erfahrungen können eine „Sucht“ auslösen. Vielleicht sogar den dringenden Wunsch, an diesen Ort zurückzukehren.

Seit über 15 Jahren konzentriert sich das in Berlin gegründete Büro auf Hotelarchitektur und -design. Das interdisziplinär besetzte Team ist neben Westin für internationale Hotels auf den Feldern Beratung, Entwurf und der Realisierung von Projekten tätig. In den Bädern des Westin Elbphilharmonie Hamburg setzt es unter anderem Produkte von Villeroy & Boch ein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.