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„Wir versuchen, so viele Disziplinen wie möglich abzudecken“: ein Gespräch mit Tom Dixon

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Tom Dixon
Foto: Peer Lindgreen

Tom Dixon gehört zu den bekanntesten internationalen Designern. Von Anfang an gestaltete er nicht nur Objekte, sondern stellte sie auch selber her. Ein Ansatz, durch den er sich sowohl mit Materialien und Herstellungsprozessen als auch mit Kreativität und Business beschäftigte. Wir sprachen mit ihm über die Verbindung all dieser Aspekte und über grundlegende Veränderungen in der Designwelt.

Tom Dixon, Ihr Design ist von eher klaren Formen, ausgewählten Materialien und einer sorgfältigen Verarbeitung geprägt. Wie wichtig ist Materialität für Sie?
Ich habe keine Hochschule für Gestaltung besucht, sondern angefangen, Dinge mit meinen eigenen Händen zu machen. Das Interesse an Materialien, besonders an Konstruktionsmethoden, hat hier seinen Ursprung. Die Ebene der Hightech-Verarbeitung und ausgereifter Herstellungsprozesse geht auf dieses Interesse zurück. Ich mag es Objekte herzustellen, die in der Materialkomposition relativ einfach und dadurch langlebig sind.

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Tom Dixon’s Design Research Studio: Barbecoa Restaurant (Interior Design), London, UK
Foto: Peer Lindgreen

Wo sehen Sie heute die wichtigsten Veränderungen in der Designwelt?
Es bricht eine sehr interessante Zeit für das Design an. Überall sieht man einen grundlegenden Wandel im Verhältnis zwischen Designern, Herstellern, Verbrauchern und der sie alle umgebenden Infrastruktur. Die gesamte Branche ist fundamentalen Veränderungen ausgesetzt, genau wie vor zehn Jahren die Musikindustrie. Das hat zum einen sicherlich mit Funktionalitäten zu tun – mit Veränderungen, wie wir heute leben und arbeiten. So wird ja etwa viel darüber diskutiert, ob es das Büro als eigenständigen Raum in zehn Jahren überhaupt noch geben wird. Vor allem aber finden Veränderungen in der Art und Weise statt, wie die Dinge hergestellt und vertrieben werden – und auch in dem Ausmaß, in dem der Verbraucher offen ist für flexible und vielseitige Einsatzmöglichkeiten von Möbeln.

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Tom Dixon’s Design Research Studio: Himitsu Cocktail Lounge-Bar (Interior Design), Atlanta, USA
Foto: Emily Andrews

Produktion und Definition von Raum verändern sich.
Ja. Wir haben es im Hotelbereich gesehen, der durch Unternehmen wie Airbnb erheblichen Verwerfungen ausgesetzt ist. Aber es betrifft auch andere Bereiche. So gibt es neue Websites, bei denen es darum geht, Wohnungen tagsüber – wenn deren Bewohner nicht zu Hause sind, weil sie arbeiten – als Büros oder Tagungsräume zu nutzen. Die flexible Nutzung von Raum ist auch eine Reaktion auf den immensen Druck, der in den Stadtzentren herrscht.

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Tom Dixon’s Design Research Studio: Mondrian London Hotel, Interior Design, London, UK
Foto: Emily Andrews

Ihr Unternehmen ist sehr aktiv im Objektgeschäft. Wie weit beeinflussen die Entwicklungen in diesem Bereich Ihre anderen Tätigkeiten?
Ursprünglich waren wir eher ein Unternehmen für den privaten Wohnbereich und haben uns nur auf einzelne Projekte wie Hotels und Restaurants fokussiert. Heute möchten mehr und mehr Menschen in Umgebungen arbeiten, die eher wie das Zuhause oder wie ein Boutique-Hotel sind. Die Gadgets, die für Arbeit und Freizeit genutzt werden, sind dieselben. Wir versuchen, so viele – scheinbar – gegensätzliche Disziplinen wie möglich abzudecken, ohne wirklich etwas zu ändern, bis auf das Styling. Wir arbeiten auf einem Mittelweg jeweils zur Hälfte für den privaten Wohnbereich und im Objektgeschäft. Auf diese Weise sind wir anpassungsfähiger als stärker spezialisierte Unternehmen.

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Tom Dixon Studio: Wingback Long Ottoman und Furry Wingback
Foto: Tom Dixon

Wenn Sie an der imm cologne oder wie vor kurzem an der ORGATEC teilnehmen, dann kommen Sie ebenso als Designer wie auch als produzierendes Unternehmen. Das ist schon ziemlich einzigartig.
Ja, in der Tat kümmern sich die Designer in unserer Branche normalerweise nicht um die Produktion, die Vertriebsstrukturen oder das Marketing für ihre eigenen Produkte. Im Modegeschäft ist das völlig normal. Wenn Sie dies aber in unserem Geschäft wirklich umsetzen wollen, merken Sie, dass es mit Blick auf die Produktentwicklung, aber auch operativ und logistisch viel schwieriger als im Modebereich ist, die Produkte tatsächlich überall auf der Welt anbieten und verkaufen zu können. Ich persönlich habe die Trennlinie zwischen der geschäftlichen und der kreativen Seite allerdings nie gezogen. Und ich bewundere die Menschen in Unternehmen, die neue Geschäftsmodelle entwickeln und Märkte erschließen und dabei genauso kreativ vorgehen wie die Designer. Jedenfalls sollten sich Designer für diese Aspekte interessieren. Das heißt nicht, dass sie sich ihnen unterordnen sollen, aber man muss einfach bestimmte Rahmenbedingungen verstehen – auch um darüber hinausgehen zu können. Zudem besteht heute ein großer Teil des Geschäfts aus Kommunikation; und das ist etwas, was Designer oft sehr gut beherrschen.

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Tom Dixon Studio: Curve Leuchten mit Screw Tisch
Foto: Tom Dixon

Womit wir wieder bei dem Thema Messe wären. Sowohl bei der imm cologne als auch auf der ORGATEC geht es ja um all diese Dinge, also um das Geschäft genauso wie um Inspiration und Kommunikation. Wo liegt Ihr persönlicher Fokus bei den Messen?
Zunächst einmal sind beide Messen sehr wichtig. Wir entwickeln uns weg von der einen großen Premiere pro Jahr, hin zu vier Launches. Bei all den verschiedenen Typologien, mit denen wir arbeiten, erlaubt uns das, jeweils einen bestimmten Schwerpunkt zu setzen. Für uns liegt die Komplexität darin, jeder Premiere für sich so viel Bedeutung wie möglich zukommen zu lassen, gleichzeitig aber zu zeigen, dass es um die gesamte Marke geht. Und dafür ist die imm cologne perfekt. Die Messe bietet einen großartigen Rahmen, um das Jahr zu beginnen.

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Tom Dixon Studio: Melt Metallleuchte, Wingback Sessel, Mass Tisch
Foto: Tom Dixon

Tom Dixon zählt zu den renommiertesten Designern von Möbeln, Objekten und Interiors. Darüber hinaus ist der Brite, der keine formale Designausbildung absolviert hat, Gründer und Creative Director des unter seinem Namen produzierenden Unternehmens. Seine Werke finden sich in den Sammlungen des Victoria and Albert Museums in London, des MoMA in New York und des Centre Pompidou in Paris.

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