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Pure Talents Contest-Nominee Roee Magdassi:
„Meine Entwürfe sollen viele Menschen erreichen.“

Foto: Roee Magdassi
Foto: Roee Magdassi

Der Produktdesigner Roee Magdassi wurde in Jerusalem geboren und lebt und arbeitet heute in Tel Aviv. Aus seiner Sicht sollte Design vor allem praktisch sein und sich um Einfachheit und Geradlinigkeit bemühen. Ganz so wie die Couchtischgarnitur „Edge“, die er im Rahmen des Pure Talents Contest in Köln präsentieren wird. Die Tische sind mit Tragegriffen ausgestattet, die zwei Funktionen erfüllen: Zum einen kann man sie so einfach von A nach B bewegen. Zudem dienen die Griffe als Rand, der sicherstellt, dass nichts von der Tischplatte rutschen kann.

Warum bist du Designer geworden?
Ich hatte immer schon großen Spaß daran, kreativ zu sein, Dinge zu basteln und zu bauen. Ich fühlte mich schon zur Architektur hingezogen, als ich noch sehr jung war, aber nach und nach begann mich dann das Produktdesign immer stärker zu interessieren. Damals schienen mir die beiden Gebiete ziemlich eng miteinander verwandt zu sein, besonders was die Möglichkeiten betrifft, angewandte Kunst zu schaffen. Was mich dann aber besonders am Produktdesign angezogen hat, war diese enorm breite Palette an vielfältigen Möglichkeiten, Dinge zu gestalten. Als Produktdesigner haben Sie die Chance, den Menschen mit den verschiedensten Objekten ein Lächeln ins Gesicht zaubern – ob Ihnen das nun mit dem hypermodernsten Raumschiff gelingt oder mit einem Alltagsgegenstand wie einem Flaschenöffner.

Was war der ungewöhnlichste Ort, an dem dir schon mal etwas Gutes eingefallen ist?
Das war unter einer Spüle. Ich war gerade mitten im Entwurf für eine neue Tischgarnitur, als ich versehentlich ein Glas Wasser über den Boden verschüttete. Also ging ich in die Küche und wollte einen Eimer und einen Wischmopp unter der Spüle hervorholen. Und mit einem Mal war die Verbindung zu meinem Projekt da. So sind die „Edge“-Tische zu ihren Griffen gekommen. Für meine Entwürfe versuche ich oft, eine wiedererkennbare Form, ein Merkmal oder eine kleine Geste, von denen ich weiß, dass die meisten Menschen sie von irgendwoher kennen, auszuleihen, indem ich sie aufgreife und in einem neuen Zusammenhang verarbeite.

Braucht man heute als Designer noch einen Bleistift?
Meine Entwürfe entstehen zwar zu einem großen Anteil digital, aber ich ziehe es grundsätzlich vor, den Prozess mit physischen Medien zu beginnen und auch abzuschließen.

Ich fertige immer erst stapelweise Skizzen an, bevor ich dann vor dem Bildschirm sitze. Auf diese Weise fühle ich mich freier, weniger einem bestimmten Prozess verpflichtet – und vor allem gibt es dabei nicht die Strg+Z-Option! Ich bin wirklich davon überzeugt, dass dieses kleine Detail meinen Arbeitsablauf verbessert. Außerdem schaue ich mir normalerweise meine ersten Skizzen im Nachhinein noch einmal an und entdecke dabei oft unglaublich interessante Möglichkeiten, die mir sozusagen im ersten Durchgang gar nicht bewusst waren; oder ich sehe Dinge, die eventuell mehr Relevanz für andere Projekte haben.

Und nach Abschluss des digitalen Prozesses nutze ich dann immer physische Modelle, um so einen echten, räumlichen Eindruck vom Objekt zu bekommen. So springe ich im Entwurfsprozess zwischen beiden Formen hin und her und nutze ihre jeweiligen Vorteile.

Hast du Vorbilder?
Ich bin in meiner Arbeit von vielen Designern beeinflusst. Am Anfang, als ich noch ganz neu im Produktdesign war, waren es Dieter Rams und seine Designprinzipien; außerdem Oki Sato mit seinen einfachen und klaren Ideen und der Geradlinigkeit in jedem seiner Projekte.

Aber wenn mich wirklich auf einen Namen festlegen muss, dann muss ich sagen, dass mich Jaime Hayon’s Gestaltungsansatz wirklich fasziniert. Er arbeitet an einer sehr breiten Palette von Projekten, vom Serienprodukt bis zur Kunst – aber ganz egal was es ist, man erkennt sofort, dass es von ihm ist und man sieht irgendwie auch sofort, dass er richtig Spaß hatte an der Arbeit.

Macht Design glücklich?
Mich jedenfalls macht Design glücklich. Und frustriert und wütend und manchmal auch verwirrt, aber ich denke, das ist so wie in jeder ernsthaften Beziehung. Ich erlebe und genieße Design in jedem Bereich meines Lebens – ob ich arbeite, reise oder einfach so, in meinem Alltag.

Der Tragegriff des Couchtischs "Edge" kann auch als erhöhte Tischumrandung genutzt werden. Foto: Roee Magdassi
Der Tragegriff des Couchtischs „Edge“ kann auch als erhöhte Tischumrandung genutzt werden.
Foto: Roee Magdassi

Was findest du am Designberuf befriedigend bzw. unbefriedigend?
Um es abzukürzen: Der Prozess der Gestaltung eines Produktes vom ersten Konzept bis zur Produktion ist sehr lang. Und er ist auch sehr interessant. Aber die am meisten befriedigenden Momente sind:
Wenn ich nach einem langen Entwicklungsprozess zum ersten Mal den fertigen Entwurf sehe.
Wenn jemand mein Produkt sieht und es „versteht“.
Aber am schönsten ist es, jemanden zu sehen, der etwas nutzt, das ich entworfen habe und dem dieses Produkt gefällt.

Gibt es eine Designwelt jenseits der Serienproduktion, und wenn, wie wichtig ist sie für dich?
Ja natürlich, Design betrifft ja alles, egal ob Serienprodukt oder ein Einzelstück, das schon im Grenzbereich zur Kunst liegt – mich interessiert dieses ganze Spektrum.
Ich glaube, Design sollte den Menschen helfen – indem es ihr Leben einfacher macht, Probleme löst, oder einfach dadurch, dass sie sich wohler mit sich selbst oder mit ihrer Umgebung fühlen. Ich wünsche mir sehr, dass den Menschen meine Arbeiten gefallen und sie eine Verbindung zu ihnen spüren. Ich möchte, dass meine Entwürfe zugänglich sind und viele Menschen erreichen. Insofern ist mir die Serienproduktion sehr wichtig.

Worauf kannst du beim Arbeiten auf keinen Fall verzichten?
Manchmal kommt es mir so vor, als ob ich 90% meiner Zeit auf den „letzten Schliff“ verwende. Auch wenn ich eigentlich schon zufrieden mit einem Entwurf bin, tüftele ich immer noch eine ganze Weile daran herum, ändere noch die kleinsten Maße oder Winkel eines Produkts hin und her und muss mich dann irgendwann wirklich zwingen, damit aufzuhören.

Was müsste dringend einmal erfunden werden?
Derzeit konzentriere ich mich sehr auf die Gestaltung von Möbeln und Wohndekor. Ich finde es faszinierend, dass den Designern – trotz all der Jahrhunderte, in denen es bestimmte Arten von Möbelstücken schon gibt und diese eine ganz bestimmte Funktion erfüllen – immer wieder Neues und Innovatives zu Design und Ästhetik einfällt. Ich finde es extrem spannend, traditionelle Aspekte von Produkten vor dem Hintergrund der heute stattfindenden kulturellen und technologischen Veränderungen neu zu interpretieren.

Was bedeutet der Auftritt auf der imm cologne für dich?
Die imm cologne ist eine großartige Gelegenheit für mich, Möbel und Wohndekor in konzentrierter Form zu erleben – das sind nun einmal Themen, die mich faszinieren. Eine großartige Veranstaltung, ein echtes Branchentreffen mit vielen Unternehmen und Designern. Und eine super Möglichkeit, viel zu lernen, neue Perspektiven zu gewinnen und meine Projekte vorzustellen.

Hier gibt’s mehr Infos zu den Teilnehmern des Pure Talents Contest und ihren Projekten.

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