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Das Haus 2017: Die Essenz des Wohnens

Foto: Koelnmesse, Constantin Meyer
Foto: Koelnmesse, Constantin Meyer

Was brauchen wir zum Wohnen? Auf diese simple Frage lässt sich der Entwurf von Todd Bracher reduzieren, mit dem der US-Designer die Besucher der imm cologne 2017 überraschte. War ihnen „Das Haus“ vom letzten Jahr her doch noch in ganz anderer, die Sinne verwirrender Erinnerung – voller Farben, Düfte, textiler Haptik, rund, transparent und nach allen Seiten offen. Wo Sebastian Herkner noch lustvoll schwelgte, beschränkt sich Todd Bracher auf das Notwendigste.

Das Erstaunliche daran: Beides funktionierte. Die Besucher nahmen Brachers Gedanken zu einem „Sustenance-Haus“ mit Interesse und wachsender Begeisterung auf. Kaum jemand, der sich mit seiner Wohnvision auseinandersetzte und das Haus nicht mit dem guten Gefühl verließ, etwas Besonderes erlebt zu haben. Denn der Entwurf des New Yorker Designers machte auf sinnliche wie intellektuelle Weise deutlich, welche Bedürfnisse im täglichen Leben wirklich essentiell und wie sie in einer zeitgemäßen Wohnform zu befriedigen sind.

Foto:  Koelnmesse, Harald Fleissne
Foto: Koelnmesse, Harald Fleissne

Sinn und Zweck des Design-Formats „Das Haus“ ist es nicht, die Möbel der Messe neu zu arrangieren, sondern persönliche Wohnvisionen von richtungweisenden Kreativen zu zeigen. Und genau das hat Todd Bracher getan. „Die Organisatoren wie auch die Besucher wussten es zu schätzen, dass es hier weniger um Möbel geht als um eine Idee, darum, über zeitgenössische Wohnformen nachzudenken“, freut sich Todd Bracher über das positive Feedback, das er in Köln erfahren hat. „Ich hörte Skandinavier sagen, dass sich ‚Das Haus‘ skandinavisch anfühlt, und Japaner, dass es sich japanisch anfühlt. Das ist schon komisch, denn für mich ist es einfach menschlich. Aber da gerade Dänen und Japaner eine sehr menschliche Lebensweise haben, von der wir in Amerika meines Erachtens noch weit entfernt sind, ist es wohl ein Zeichen intuitiven Verstehens“.

Bracher stellt der traditionellen Raumabfolge X-Zimmer-Küche-Diele-Bad das Konzept einer 3-Zonen-Wohnung gegenüber, in der die wichtigsten Funktionen zu jeweils einem Raum verschmelzen: einem Raum, um sich mit allem zu versorgen, was der Mensch zum Leben braucht, um Körper, Geist und Seele zu nähren; einem Raum der Ruhe und des Rückzugs, um das Leben zu reflektieren und zu verdauen; und schließlich mit einem kurzerhand nach draußen verlegten Raum für die Hygiene, in dem der Mensch nicht nur sich selbst, sondern auch der Natur begegnen soll.

Foto: Koelnmesse, Constantin Meyer
Foto: Koelnmesse, Constantin Meyer

Von außen wirkt die 2017er-Version von „Das Haus – Interiors on Stage“ klar umrissen, ja fast schroff: ein Haus wie eine Burg, mit nur zwei schmalen Eingängen zu dem von halbtransparentem Stoff (Création Baumann) umspannten Gebäude mit seinem schwarzen, hermetischen Anbau-Kubus. Innen öffnet sich ein hoher, von Regalen eingefasster Raum zu einem hellen, von Holz dominiertem Wohnambiente, in dem alles versammelt ist, was der Mensch für seine Entwicklung braucht: Nahrungsmittel, Bücher, Kochutensilien, Exponate zum Naturstudium, Erinnerungsstücke, Kunst, wissenschaftliche Instrumente, Spielzeug, Werkzeuge. Ausgestopfte Tiere stehen stellvertretend für die Sehnsucht des Großstädters, nicht auf bildlich vermittelte Eindrücke von der Natur beschränkt zu sein, sondern sie durch direkte Anschauung kennenzulernen.

Massive Douglasie-Paneele von Dinesen bedecken nicht nur den Boden des „Hauses“, sondern dienen auch zur Konstruktion der Regale und Wände. In der Raummitte schließlich eine riesige Tafel – eine sieben Meter lange, eigens von Ceasarstone für „Das Haus“ gefertigte Kücheninsel aus Quarz-Arbeitsplatten in der Farbvariante „Sleek Concrete“, bestückt mit Todd Brachers Alodia-Hockern (Cappellini) und einer Reihe seiner Dome Lamps (Mater), die Assoziationen an eine Bibliothek wecken. Ein Raum, um die Welt zu entdecken.

Foto: Koelnmesse, Lutz Sternstein
Foto: Koelnmesse, Lutz Sternstein

„Es ist ein gutes Gefühl, den Partnern aus der Industrie mit einem solchen Projekt auch etwas zurückgeben zu können“, zieht Bracher ein positives Resümee aus seinem Engagement in Köln. „Es ist faszinierend, sich hier als Teil einer großen Familie fühlen zu können, die überall auf der Welt immer wieder zusammenfindet. Im Übrigen ist die imm cologne für mich eine der am besten durchgeführten Shows, die es in dieser Branche gibt – sie hat eine gute Mischung, ist gut kuratiert und besitzt eine gute Energie. Sie ist professionell und dabei dennoch einladend. Manche Messen sind ja total auf das Geschäft fokussiert, andere wiederum sind in ihrer Art fast naiv. Die imm cologne hat eine gute Balance von Business und Kreativität. Ich bin gespannt, was sich im Nachhinein aus dem „Haus“ noch entwickelt“, äußert sich Todd Bracher über die Kölner Messe.

So lebhaft die Diskussionen mit Todd Bracher im „Sustenance“-Raum auch waren – der eindeutige Favorit der Besucher war doch der Ruhe-Raum, in den man durch einen leicht abschüssigen, dunklen Korridor gelangte. Die hölzernen Wände, eben noch hell und freundlich, erscheinen hier geschwärzt und schlucken Lärm und Licht des Messetrubels. Weil Todd Bracher findet, dass das Bedürfnis nach Ruhe über das bloße Schlafen hinausgeht, stehen hier Möbel zum Ausruhen, Nachdenken, Tagträumen. Und tatsächlich vergisst man nach ein paar Minuten in dem dunklen Raum, der nur von einem mondartig schimmernden Papierball, eine Sonderanfertigung des italienischen Leuchtenherstellers Davide Groppi, gedämpft erleuchtet ist, dass man sich im Inneren eines Hauses befindet. Geschweige, inmitten einer brummenden Messe.

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