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Interview mit Graft: „Am Ende setzt sich Qualität meistens durch.“

GRAFT
Die Gründungspartner von GRAFT: Wolfram Putz (v.l.), Thomas Willemeit, Lars Krückeberg
© Ali Kepenek

Berlin, Los Angeles und Beijing – die international tätigen Architekten von Graft sorgen mit ihren Projekten immer wieder für Aufsehen. Ein Gespräch mit den Gründungspartnern Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit über Wohnen in der Stadt, kommunikative Architektur und neue Kooperationsfelder für die Zukunft.

Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit, mit Graft entwerfen Sie, soweit möglich, ganzheitliche Interiors „aus einem Guss“. Wie hat sich der Markt dafür entwickelt?

Thomas Willemeit: Ich denke, der Markt dafür wächst. Wir haben immer auf solche Konzepte gesetzt – nicht aus rein formalistischen Gründen, sondern auch weil sie das Ergebnis eines bestimmten Denkens sind. Unsere Wahrnehmung unterscheidet nicht zwischen Stadtplanung, Architektur, Interior und Mobiliar. Wir setzen in sämtlichen Bereichen stark auf atmosphärische Qualitäten.

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Apassionata Park, Showpalast, München.
© GRAFT

Wird diese Haltung auch von Bauherren nachgefragt?

Wolfram Putz: Ja. Insbesondere im Wohnungsbau ist das mehr und mehr der Fall. Je kleiner die Wohnungen werden, umso mehr sehen wir die folgenden Effekte: Zum einen muss dieser kleine Kokon eine eher noch höhere räumliche Qualität aufweisen. Zum anderen treten wieder häufiger Aspekte eines gemeinschaftlichen Wohnens auf, die auch identitätsbildenden Charakter haben.

Thomas Willemeit: Bei unseren Paragon Apartments in Berlin entsteht im Erdgeschoss eine Art interner Marktplatz mit Clubraum, Bibliothek, kleiner Küche und Kamin. Es gibt außerdem zum Stadtraum hin einen Biomarkt und ein kleines Café, außerdem eine Kita, die mit einem anderen Interior Designer sehr liebevoll ausgestattet wurde. Gerade bei Projekten, die über die intelligente Entwicklung von gemeinschaftlich nutzbaren Flächen eine Art Community kreieren wollen, werden diese Aspekte stark nachgefragt.

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Loft Hausvogteiplatz, Berlin.
© Tobias Hein

Ihre Interior-Welten betreffen prinzipiell zwei Ebenen – eingebaute und freistehende Elemente. Wie früh arbeiten Sie mit Möbelherstellern zusammen, auch zur Abstimmung dieser Ebenen?

Lars Krückeberg: Durch die lange Zusammenarbeit mit vielen Herstellern können wir uns natürlich auf einen gewissen Erfahrungsschatz und unkomplizierte Kommunikationswege verlassen. Es gibt aber immer noch Entwicklungspotential. Sobald man über hybride Strukturen – aus freistehendem und eingebautem Mobiliar – nachdenkt, wären neue Kooperationen denkbar. Auch an den Einbauten beteiligt zu sein, ist aber für viele Hersteller noch eine Hürde. Da könnten sich in Zukunft noch interessante Geschäftsfelder ergeben.

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Old Mill Hotel, Belgrad, Serbien.
© Tobias Hein

Wie weit reicht – etwa bei einem Hotel – Ihr Einfluss auf das nicht von Ihnen entworfene Mobiliar? Sprechen Sie da Empfehlungen aus, ziehen Sie sich zurück?

Lars Krückeberg: Wir machen recht präzise Vorgaben, um eine konzeptionelle Geschlossenheit zu erreichen. Gerade bei hybriden Konzepten ist eine gleichmäßige Qualität wichtig. Es gibt aber Bauherren, die bewegliche Objekte erst einmal vernachlässigen und später ganz anders entscheiden oder einfach eine möglichst günstige Lösung wollen. An dieser Stelle versuchen wir den Kunden perspektivisch zu beraten: Langlebigkeit und hohe Qualität, die meistens bei hoher Gestaltqualität mitgeliefert wird, sind dabei die wichtigsten Argumente.

Thomas Willemeit: Insgesamt ist festzustellen, dass sich eine gewisse Austauschbarkeit im Mainstream durchsetzt, auch durch den Variantenreichtum der zum Teil extrem günstigen Hersteller, die auf den Markt kommen. Ich bin da zwiegespalten – grundsätzlich ist Wettbewerb ja gut. Aber die imm cologne zeigt’s dann: Am Ende setzt sich meistens doch Qualität durch.

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The Kabbalah Centre, Berlin.
© Tobias Hein

Sie betreiben auch das Graft Brandlab. Worum geht’s da?
Wolfram Putz: Graft Brandlab ist eine eigene GmbH. Im Zentrum steht das gesamte Thema der Kommunikation in Architektur und durch Architektur – alle Bereiche, in denen Architektur und Interior Teil einer Markenidentität und -strategie sind. Diese Dinge haben wir unter unserem normalen Leistungsbild immer schon mitgeliefert. Nur haben wir irgendwann verstanden, dass man sie auch erkennbar kommunizieren muss. Die Tätigkeiten reichen von der Entwicklung von Markenarchitektur über Zielgruppenanalysen und konkrete Strategieberatung bis hin zur Aufbereitung unserer fertigen Pläne etwa für Vermarktung und Marketing. Der Gedanke, dass Architektur und Kommunikationstätigkeit in einem Wechselverhältnis stehen können, hat uns immer schon sehr interessiert.

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GRAFT und Kleihues + Kleihues: Eckwerk Holzmarkt, Wohnen und Büros, Berlin.
© GRAFT und Kleihues + Kleihues

 

Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit sind Gründungspartner von Graft. Das Architekturbüro realisiert mit Büros in Berlin, Los Angeles und Beijing Projekte vom Produktdesign bis zum Städtebau.

Das Gespräch führte Broekman+Partner

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