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The World@Home:
Interview mit Doriana Fuksas

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Doriana Mandrelli Fuksas and Massimiliano Fuksas
© Fabio Lovino

Ein Gespräch mit der italienischen Architektin und Designerin Doriana Fuksas zu Globalismus, Urban Interiors und Objektdesign.

Frau Fuksas, Sie und Ihr Mann sind in Rom geboren und aufgewachsen. Heute arbeiten Sie an Projekten auf fast allen Kontinenten. Inwieweit ist Ihre Arbeit von der italienischen Architektur und dem italienischen Design der letzten Jahrzehnte beeinflusst? Sehen Sie sich selbst als Teil einer spezifisch italienischen Tradition?
In gewisser Hinsicht ja, aber nicht ausschließlich. Solche Traditionen hatten im 20. Jahrhundert, als die Menschen weniger reisten und es das Internet noch nicht gab, wohl eine stärker prägende Wirkung. Heute ist eine Idee zugänglich für alle, sobald Sie sie in den Computer eingegeben haben. Das ist gut, weil man so nie den Anschluss an die Welt verliert. Aber es bedeutet gleichzeitig, dass Ideen globaler werden. Wenn Sie etwas typisch Chinesisches kaufen wollen, müssen Sie dafür nicht mehr nach China reisen. Sie können es auch in Rom oder Paris bekommen. Nur die Menschen sind nach wie vor ziemlich verschieden.

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Studio Fuksas: Refurbishment of the ex Unione Militare building, Rome, Italy
© ORCH chemollo

Mitten im Zentrum von Rom haben Sie den ehemaligen „Palazzo dell’Unione Militare“ neu- und zu einem eindrucksvollen Kaufhaus umgestaltet. Wie schaffen Sie Urbanität in solch einem Projekt?
Es handelt sich dabei um ein sehr bedeutendes Gebäude, das aber in einem traurigen Zustand war. Die historische Architektur war für Büros genutzt worden. Ansonsten war das Innere völlig zerstört. Das Gebäude liegt in der Nähe der Piazza di Spagna und bietet von der Dachterrasse einen sehr schönen Ausblick. Aber es hatten nur die Menschen Zutritt, die dort auch arbeiteten. Wir haben versucht, das Erdgeschoss so weit wie möglich zu öffnen, um einen einladenden Raum, in etwa wie einen Markt, zu schaffen. Die südliche Fassade wirkt beinahe wie die eines Industriegebäudes und wir hatten die Idee eines innerstädtischen „Theaters“, so dass Sie sehen können, dass im Inneren Dinge geschehen. Es können dort auch Performances abgehalten werden. Das Gebäude ist mittlerweile verkauft, aber unser ursprünglicher Entwurf war für Benetton. Unser Entwurf für die Innenarchitektur hat sich daran orientiert, dass die Zielgruppe dieses Unternehmens junge Menschen und auch Kinder sind, und hat verschiedene Farben für jedes Geschoss und spielzeugähnlich gestaltete Möbel aufgenommen.

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Studio Fuksas: Refurbishment of the ex Unione Militare building, Rome, Italy
© Gianni Basso

Es scheint, als unterstützten viele Ihrer Entwürfe das Element der Bewegung. Wie wichtig ist Ihnen dieser Aspekt?
Wir versuchen, eine Art fließender Bewegung anzustoßen. Aber die wichtigsten Dinge sind das Licht, die Qualität des Raumes und die Proportionen. Bei der Eröffnung unseres Terminals 3 für den Flughafen von Shenzen war es fantastisch zu sehen, wie die Menschen überwältigt waren vom Raum und dem Licht.

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Studio Fuksas: Shenzhen Bao’an International Airport, Terminal 3, Shenzhen, China
© Archivio Fuksas

Sie entwerfen Möbel als Teil Ihrer Innenarchitektur, aber auch in direktem Auftrag für Unternehmen. Sehen Sie dabei Unterschiede in der Herangehensweise, etwa wie stark Sie beim Entwerfen architektonisch denken?

In der Tat haben wir zunächst Objekte für die auch von uns entworfenen Gebäude gestaltet. Wenn Sie ein Haus entwerfen, ist es einfach schade, wenn die Möbel nicht dazu passen. Aber das ist natürlich immer auch eine Frage des Geldes. Also haben wir mit eigenen Möbelentwürfen begonnen, sozusagen als ein letzter Liebesdienst am Gebäude, mit dem Ziel, etwas Gutes, aber Erschwingliches zu schaffen. Seither kamen immer mehr Anfragen für Innenausstattungen. Auch für den Flughafen haben fast alles wir gemacht, Architektur und Innengestaltung. Das hat viel Spaß gemacht, war aber auch eine unglaubliche Menge an Arbeit. Aber natürlich spiegeln auch Objekte, die wir im direkten Auftrag entwerfen, unsere Gedanken zur Architektur wider. Der Maßstab ist sicherlich ein wichtiger Aspekt, aber Möbel können dennoch ganz ähnlich wie Architektur gedacht und gebaut werden. Der Entwurfsprozess kann im Übrigen sehr komplex sein und so lange wie der eines Gebäudes brauchen.

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Studio Fuksas: Armani Fifth Avenue, NYC, USA
© SAMA-Allan Toft

Im letzten Jahr haben Sie eine regelmäßig erscheinende Designkolumne in der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ geschrieben. Wie stark ist das Bewusstsein für Architektur und Design in der italienischen Öffentlichkeit ausgeprägt?
Die Reihe hatte sehr viele Leser, auch Menschen, die keine Architekten oder Designer sind. Das ist eigentlich ziemlich unglaublich. Aber vielleicht geht es auch um die Art und Weise, in der Sie den Menschen Informationen vermitteln – klar, begeisternd, so dass man nicht vergisst, was man gelesen hat. Dann kann es vielleicht passieren, dass Menschen sich mit etwas beschäftigen, für das sie zuvor kein Interesse hatten.
Profil
Doriana Fuksas leitet Studio Fuksas zusammen mit ihrem Mann, Massimiliano Fuksas. In den vergangenen 40 Jahren hat das international renommierte Büro an einer Vielzahl von Projekten gearbeitet, von stadtplanerischen Eingriffen bis zu Flughäfen, von Museen, Kulturzentren, Konzertsälen und Kongresszentren bis zu Büros und von Inneneinrichtungen bis hin zu Privathäusern und Designkollektionen. Von seinen Niederlassungen in Rom, Paris und Shenzhen aus hat das Büro mehr als 600 Projekte in Europa, Afrika, Amerika, Asien und Australien durchgeführt und zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten.
www.fukas.com

 

Das Gespräch führte Broekman + Partner

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