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The World@Home:
Interview mit Ramón Esteve

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Ramón Esteve
© Alfonso Calza

Ein Interview mit dem Architekten und Designer Ramón Esteve über den spanischen Lebensstil und das Gestalten ganzheitlicher Welten.

Sie entwerfen neben anderen Objekten beeindruckende Wohnhäuser, die häufig an außergewöhnlichen Orten stehen. Welche besonderen Merkmale erwartet ein Kunde von Ihrer Wohnarchitektur?
Die Herausforderung besteht darin, jedem Projekt eine Seele zu geben und ihm seine eigene Identität zu verleihen.

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Ramón Esteve: Casa Monasterios
© Maite Piera

Worin unterscheidet sich der Lebensstil in Spanien von dem in anderen europäischen Ländern? Gibt es Unterschiede in Bezug auf die Wohnarchitektur, die Wohnräume und die Einrichtung? 
Ich glaube nicht, dass es zwischen der Wohnkultur in Spanien und der in anderen europäischen Ländern wesentliche Unterschiede gibt. Einzig das unterschiedliche Klima kann dazu beitragen, dass bestimmte Techniken effizienter angewendet werden müssen. Was sich in Spanien im Hinblick auf private Einfamilienhäuser allerdings abzeichnet, ist eine stärkere Zuwendung zur zeitgenössischen Architektur. Auch das Niveau von Wohnbauten ist in den vergangenen Jahren sehr stark angestiegen.

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Ramón Esteve: Daybed Ulm, Vondom
© Xavi Gordo

Neben reinen Wohnbauten entwerfen Sie auch Interieurs für Hotels, Shops und andere Projekte. Welche Philosophie steht hinter diesen Interior-Konzepten?
Die konzeptionellen Konstanten meiner Arbeit sind Harmonie, Ausgeglichenheit, Zeitlosigkeit, Atmosphäre, Universalität und Kontextualisierung. Ich möchte mit dem, was das physische, wirtschaftliche und kulturelle Umfeld bietet, die beste Lösung erzielen. Ein unverzichtbares Element meiner Arbeit ist das Verhältnis zwischen Architektur und Design, zwischen Behältnis und Inhalt. Ich denke, dass ein architektonischer Raum mehr Kraft entfaltet, wenn sich die in ihm beherbergten Elemente im gleichen Kontext bewegen. Diese Vision hat wohl dazu beigetragen, dass ich mich irgendwann auch in den Bereich des Möbeldesigns vorgewagt habe.

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Ramón Esteve: Faces collection, Porcelanosa
© Porcelanosa

Ein weiterer wesentlicher Bereich Ihrer Arbeit besteht im Möbel- und Interior-Design für spanische Hersteller von Weltruf, wie Vondom, Vibia oder Gandía Blasco. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit?
Ich bin in erster Linie Architekt, aber ich glaube auch, dass die Architektur nicht nur auf den Entwurf von Gebäuden beschränkt ist. Seit ich in den 90er-Jahren angefangen habe zu arbeiten, habe ich mich stets damit befasst, wie ich mit den Mitteln der Architektur ganze Welten erschaffen kann. Welten, in denen die einzelnen Elemente mit ihren Bewohnern interagieren und einzigartige künstlerische Erfahrungen schaffen. Der Beginn meiner Beschäftigung mit Design ist in diesem Kontext zu sehen. Die Möbelstücke machen einen wesentlichen Bestandteil dieser Kreativwelten aus, da sie einerseits den architektonischen Anspruch betonen und andererseits eine Verbindung zwischen den Gebäudeabschnitten und den Bewohnern herstellen. Seit meinem ersten Projekt entwerfe ich mit Unterstützung örtlicher Handwerksbetriebe auch Möbelstücke als Bestandteil der Architektur. Das Haus von Na Xemena war der erste Fall, in dem diese Entwürfe zu einer Handelsware zusammengefasst und der industriellen Herstellung zugeführt wurden. Später begann ich damit, von der Architektur unabhängige Produkte zu entwerfen, auch wenn ich dabei die Architektur stets vor Augen hatte. Bei diesen Projekten ging die Zusammenarbeit weit über den reinen Produktentwurf hinaus: Ich habe zur Philosophie und zur Identität der Marke beigetragen, denn als Architekt bin ich es gewohnt, umfassende Projekte zu entwerfen und dabei alle Bereiche einzubeziehen.

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Ramón Esteve: Casa Paz y Comedias
© Christoph Kicherer

Welche Trends im Interior Design halten Sie aktuell für besonders relevant?
Es ist derzeit sehr schwierig, aus dem zeitgenössischen Design und der Architektur bestimmte bedeutende Trends herauszufiltern. Es gibt im Moment unterschiedliche eigenständige Visionen, die mitunter zusammenfallen. Das ist wie bei der Mode, in der Kunst oder in einem anderen künstlerischen Genre: Eine einzelne Richtung lässt sich da zurzeit nur sehr schwer definieren. Es ist daher sehr wichtig, eine eigene Identität zu suchen und dafür zu sorgen, dass die eigene Arbeit möglichst viel Charakter aufweist, um im internationalen Umfeld eine Nische finden zu können.

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Ramón Esteve: LINK XXL, Vibia
© Vibia

Welches sind künftig die wesentlichen Herausforderungen für Ihre Arbeit als Architekt und Designer? Auf welche Aufgaben möchten Sie sich bei Ihrer Arbeit gerne konzentrieren?
Ich möchte gerne umfassende Umgebungen aufbauen, mit denen ich Erfahrungen schaffe. Für mich bestehen die Herausforderungen auch weiterhin darin, eine noch stärkere Intensität zu erreichen und die Herausforderung auf eine höhere Stufe zu heben, wie bei Hochhäusern oder in der Stadtplanung.

 

Das Gespräch führte Broekman + Partner.

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