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Das Haus 2016: Jenseits des Elfenbeinturms

© Sebastian Herkner, Koelnmesse
© Sebastian Herkner, Koelnmesse

Der Designmarkt ist überwiegend von kommerziellen Faktoren geprägt. Dass Design dennoch mehr zu sagen hat als bloß in Kategorien von Ästhetik, Funktion, Technik, Material und Nachhaltigkeit zu sprechen, zeigt „Das Haus“ 2016 von Sebastian Herkner, das auf der nächsten imm cologne errichtet wird.

Sicherlich stellt die aktuelle Situation Herkners Interpretation der 2016er-Ausgabe von „Das Haus“ in einen weit über die Messe und die Einrichtungswelt hinausreichenden Kontext. Doch können Idee und gestalterisches Konzept unabhängig von den Ereignissen der letzten Monate und Tage auch für sich stehen. Breits im Frühjahr 2015 entschied sich der Offenbacher Designer für Form und Gestalt seines Hauses, das als Zeichen der Offenheit konzipiert ist und durch Farben, Stoffe und Möblierung zu einem sinnlichen Erlebnis für die Besucher werden soll.

Ästhetisch und inhaltlich vertritt „Das Haus“ auf der imm cologne 2016 zentrale Werte unseres Lebensstils. Offenheit und Freizügigkeit – das sind Werte, die wir mit dem europäischen „Haus“ zu identifizieren gewohnt sind. Dass sie auf einmal in Gefahr scheinen, gibt Sebastian Herkners Haus eine größere Bedeutung, als es dem Designer bei seinem Entwurf bewusst gewesen sein kann. Wie wir leben, wie wir wohnen, mit welchen Menschen wir unser Haus teilen, wie wir es einrichten – das alles scheint mit einem Mal weit stärker Ausdruck einer Grundsatzhaltung zu sein als bisher.

© Sebastian Herkner, Koelnmesse
© Sebastian Herkner, Koelnmesse

In den letzten Jahren bewies das Design-Format „Das Haus – Interiors on Stage“ eine erstaunliche Bandbreite an völlig unterschiedlichen Entwürfen, die dem „Haus“ einen immer wieder neuen Charakter verliehen: Da war das erste Haus des indisch-britischen Designerpaares Nipa Doshi und Jonathan Levien, die dem neuen Format als Pioniere auf den Weg halfen und ein exotisches, fließendes Raum-Ensemble entwarfen. Dann kam das schon fast klassisch zu nennende Wohnhaus des Italieners Lucha Nichetto, der die elegante Einrichtung mit atmenden Mauern aus bepflanzten, Jalousie-artigen Wänden umgab. Unter den Händen der britisch-dänischen Designerin Louise Campbell wurde „Das Haus“ zu einem einzigen großen Raum, dessen hölzernes Ständerwerk skandinavisches Flair verbreitete. Zu guter Letzt schufen Rossana Hu und Lyndon Neri aus Shanghai einen Parcours von Räumen und Möbeln als Ausdruck von Wohnritualen, die es zu hinterfragen und zu erweitern galt – und zwar in beiden Kulturen: der westlichen wie der asiatischen.

Eines allerdings war bei allen Haus-Versionen ein zentrales Element: Kommunikation. Die Wohnung war für die Designer der ideale Ort, um sich nicht nur mit der Familie und Freunden zu treffen, auszutauschen und zusammen zu arbeiten. Und nun plädiert auch Sebastian Herkner mit seinem Entwurf eines offenen Hauses für eine Wohnkultur, die das Heim zu einer Begegnungsstätte macht. Der Designer gestaltet ein rundes und zum Teil auch transparentes Haus, dessen anstelle von Wänden eingesetzte bewegliche Vorhänge immer wieder neue Perspektiven erlauben. Bei seinem Entwurf wird „Das Haus“ zu einem Statement mit Symbolcharakter: Als ein Zeichen gegen die Abschottung will er sein „Haus“ verstanden wissen.

© Sebastian Herkner, Koelnmesse
© Sebastian Herkner, Koelnmesse

Es liegt auf der Hand, dass diese Interpretation auf den aktuellen politischen Hintergrund der Flüchtlingssituation anspielt. Aber sie ist vielleicht auch als Antithese zur „normalen“ Wohnrealität zu verstehen, deren immer noch häufig anzutreffende Enge und Überfüllung die Menschen nicht gerade ermutigt, sich frei zu bewegen und mit ihrer Umwelt zu interagieren. Dass es in unserer Gesellschaft eine Sehnsucht nach offeneren Wohnformen gibt, ist in den letzten Jahren in vielen Bereichen deutlich geworden – etwa in den offenen Küchen, dem Outdoor Living, den zum Private Spa ausgebauten Badezimmern und dem Ideal der Loft-Wohnung. Jenseits aller gesellschaftspolitischer Zusammenhänge animiert Herkners Entwurf dazu, freier zu wohnen und zu denken.

Wie auch immer man zu dem persönlichen Statement von Sebastian Herkner stehen mag – es macht deutlich, dass die Form des Wohnens immer auch eine Form des Lebens ist. Und die Reihe der fünf Häuser zeigt zudem, dass Designer wie Sebastian Herkner genauso wie Doshi Levien, Lucha Nichetto, Louise Campbell und Neri&Hu der Überzeugung sind, das Leben durch die Form unserer Wohnungen beeinflussen zu können. Alle haben sie mit ihren Häusern nicht „nur“ etwas Schönes schaffen, sondern auch ein Statement abgeben wollen. Sie alle hatten eine Vision, wie man durch Architektur, Möbel und Interior Design etwas besser machen könnte.

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