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Raumkonzepte fürs Bad:
Die Ergonomie der Bedürfnisse

© Axor / Hansgrohe
© Axor / Hansgrohe

Jede Wohnung, jedes Zimmer erzählt von dem persönlichen Stil seiner Bewohner. Üblicherweise kommt bei Wahl und Platzierung der Möbel im Raum der individuelle Charakter zum Ausdruck. Bei unverrückbaren oder sogar fest eingebauten Einrichtungsobjekten hilft ein ganzheitlich angelegtes Raumkonzept – nicht nur im Badezimmer.

Wie ist das Sofa ausgerichtet? Zum Fernseher, in den Raum oder als Sitzgruppe? Gibt es einen Esstisch, eine übersichtliche Vitrine oder eher ein überquellendes Bücherregal? Steht eine moderne Hifi-Anlage mit Relax-Liege oder ein Klavier im Zentrum? Bei jedem Umzug werden die guten Stücke wie Soldaten vorgeschickt, den Raum zu erobern und ihn dem Menschen anzueignen. Nur im Bad bleiben die meisten Wohnenden irgendwie immer bloß Gast. Bis auf einige Requisiten gibt es hier kaum Möglichkeiten, das Retortenformat zu individualisieren. Selbst Hauseigentümer vermögen ihren Bädern oft nicht mehr Profil zu geben als den Zeitgeschmack, welcher während des Hausbaus oder der Renovierung gerade vorherrscht. Das Bad gilt häufig als Raum, der bei der Grundrissplanung übrig bleibt und nun mit dem üblichen Programm in willkürlicher Reihenfolge besetzt wird.

© Villeroy & Boch
© Villeroy & Boch

Natürlich ist diese Vorgehensweise überholt, doch sie ist immer noch Standard. Denn die Produktprogramme von heute sind keine schlichten, einem bestimmten Muster folgenden Besetzungslisten mehr, vielmehr ist in ihnen bereits eine Vorstellung von der Inszenierung enthalten. Die Kombination von Keramikserien mit Badmöbeln in ausdrucksstarken Oberflächen, die Entwicklung von passenden Accessoires sowie Armaturen, deren charakterstarkes Profil auf bestimmten Keramikformen zugeschnitten ist – das sind die Instrumente der Interior-Design-Konzepte anspruchsvoller Kollektionen. Die Produktinszenierung im Foto spielt dabei die wohl bedeutendste Nebenrolle. Die Badprogramme reagieren auf das Konsumentenbedürfnis nach einer ganzheitlichen Badgestaltung und legen auch schon mal die Verwendung bestimmter Materialien, Farben, Kombinationen, Accessoires oder eine bestimmte Lichtführung nahe. Dies ist die erste Stufe der Individualisierung des Badezimmers.

Ob nun auf dem Foto, als Muster im Kopf des Konsumenten oder bei ambitionierten Architekten – die professionelle Planung des Bades wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Der Badplaner wird zum Regisseur, der die Objekte inszeniert und der vorgibt, wie der Mensch sich zwischen ihnen bewegt und wie er das Bad nutzen kann. Die räumliche Qualität des Bades wird dabei durch zwei gleichwertige Parameter bestimmt: Zum einen durch die Gestaltung des Ambientes und die dramaturgische Wirkung von Formen, Farben, Materialien und Licht. Zum anderen durch die räumliche Strukturierung mittels gezielt platzierter Sanitärobjekte. Um diese herum bildet sich aufgrund des benötigten Bewegungsspielraums, durch optische Differenzierung oder durch bauliche Elemente und Raumteiler ein „Hof“ – eine Nutzungszone.

© Keramag
© Keramag

Das Interior Design von Badezimmern ist eine etablierte Disziplin, die eine sehr kundenspezifische Aufgabe für Badplaner und Innenarchitekten darstellt. Mit der zweiten räumlichen Größe hingegen, der Strukturierung des Raums in Nutzungszonen, entdecken die Hersteller und Baddesigner gerade eine neue Möglichkeit der Badgestaltung für sich. Welche Auswirkungen eine solche Herangehensweise auf das Produktdesign haben kann, beweist die Designgeschichte der Küche. Als Christine Frederick 1912 die Ergonomie des Arbeitsplatzes Küche analysierte, führten ihre Aufzeichnungen der Arbeitswege zu der Entwicklung einer völlig neuartigen Raum- und Produktgestaltung: Die so genannte „Frankfurter Küche“. Ursprünglich für den Frankfurter sozialen Wohnungsbau 1926 von Margarete Schütte-Lihotzky entwickelt, wurde die ehemals große Wohnküche auf nur 6,5 Quadratmetern untergebracht. Das ersparte der Hausfrau einige Laufwege. Die Einbauküche war geboren. Die Platzersparnis entstand vor allem durch die Ausgliederung der Zone, die zum Essen bestimmt war.

Über den Lifestyle der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und darüber hinaus – verrät die Entstehung der Frankfurter Küche, dass zwischen Arbeiten und gemeinschaftlichem Leben getrennt wurde, um die Effizienz von Arbeitskraft und Raumnutzung zu steigern. Diese strikte Leistungsorientierung hatte ihre Entsprechung in der Verdrängung des Lustprinzips bei der Körperpflege – ein emotionaler Luxus, den sich kaum jemand leisten konnte. Dementsprechend wurden die Sanitärprodukte auf kleinstem Raum platziert. Da man hier wenig Zeit verbrachte, galt eine ergonomische Analyse als überflüssig. Heute berücksichtigt die ergonomische Küchenplanung auch die Nutzungsmöglichkeiten für gemeinsame Tätigkeiten. Platz für Geselligkeit ist genauso wichtig geworden wie arbeitstechnische Effizienz. Kochen und Essen wurden zu einer Kunstform erhoben.

© Vola
© Vola

Und im Bad? Auch hier werden mittlerweile die Wege zwischen den einzelnen Stationen analysiert. Aber es geht dabei nicht in erster Linie um Effizienz, sondern um Aufenthaltsqualität und eine bedarfsabhängige Zonierung des größer gewordenen Platzangebots. Körperpflege wurde in unserem Lebensstil aufgewertet, da sie nicht nur der Hygiene dient, sondern auch dem Genuss und der Entspannung. Als wertvoller Bestandteil unserer Kultur wird die Körperpflege ausdifferenziert in unterschiedliche Teilfunktionen – wie etwa Toilette, Reinigung und Erfrischung, Gesichts- und Schönheitspflege oder Abschalten und Entspannen.

Natürlich ist die Zonierung des Bades mit einem hohen Platzbedarf verbunden. Es überrascht kaum, dass Impulse hierfür aus dem Objektbereich kommen, insbesondere aus dem Interior Design großer Hotels. Die Erfahrung der Gäste mit anspruchsvoller Hotelarchitektur hat den Wunsch der Menschen nach ähnlichen Erlebnissen in den eigenen vier Wänden geweckt.

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