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Interview Dick Spierenburg: Fünf Häuser mit fünf Perspektiven

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Zum Prinzip des Design-Events der imm cologne „Das Haus – Interios on Stage“ gehört es, dass jedes Jahr ein neuer Designer eingeladen wird, diese internationale Plattform für Interior Design zu bespielen. Für 2016 haben die Kölner Sebastian Herkner gewinnen können. Der Creative Director der imm cologne, Dick Spierenburg, erläutert im Interview die Hintergründe für diese Auswahl und kann einen Vergleich zwischen fünf Editionen „Das Haus“ ziehen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Herr Spierenburg, auf der imm cologne 2016 wird unter Ihrer Regie nun bereits die fünfte Edition von „Das Haus“ realisiert. Was haben Sie aus diesem Projekt über das Wohnen gelernt?
Wenn man sich alle bisherigen Interpretationen von „Das Haus“ ansieht, fällt auf, dass jeder Kreative wieder völlig neue Lösungen und alternative Raumaufteilungen gefunden hat. Und doch sind alle diese Konzepte in den meisten heutigen Wohnungen nur schwer umsetzbar, und zwar wegen der vielen festen Wände und Anschlüsse. Damit plädieren die Designer für freiere, individuellere Planungsmöglichkeiten. Bei den drei europäischen Designteams, die wir hier bisher gesehen haben, waren Wände kein großes Thema, weil sie ziemlich offene Wohnformen geplant haben, meist rund um einen zentralen Innenhof herum. Auch Sebastian Herkners Konzeption folgt diesem Ansatz. Nur Neri & Hu aus China haben die unterschiedlichen Zonen im Haus durch Wände definiert. Für mich war es schön zu sehen, dass die von uns bewusst möglichst offen gehaltene Planungsfreiheit zu visionären Alternativen geführt hat, die gleichzeitig auch machbar gezeigt worden sind.

Haben Sie eigentlich ein Lieblingshaus? Was waren aus Ihrer Sicht die Highlights?
Die vier Häuser der vergangenen Jahre haben alle einen komplett eigenen Charakter gezeigt. Damit sind sie alle gleich wichtig für die Bedeutung des Projektes. Neben den weit auseinander liegenden Gestaltungskonzepten sind mir einige faszinierende Fundstücke besonders in Erinnerung geblieben: das Ladenfenster bei Doshi Levien (2012), durch das hausgemachte Produkte auf der Straße verkauft werden; die grün bepflanzte Jalousien-Fassade von Luca Nichettos Haus (2013); und die Küchen-Werkstatt und das riesige Gästebett von Louise Campbell (2014). Da die Architektur meine persönliche Leidenstaft ist, wird es keinen überraschen, dass ich gerade das Haus von Neri & Hu super spannend fand: Diese Burg mit der kräftigen, stimmigen Fassade, die sehr konzeptionelle Gestaltung und die bühnenhafte, fast theatralische Einrichtung haben mich sehr beeindruckt.

Gibt es eigentlich eine konkrete Aufgabe für den Kreativen, oder hat er bei der Gestaltung vollkommen freie Hand?
Die Aufgabe lässt den Kreativen sehr viel Freiheit. Beherrschendes Motiv ist, dass alle Aspekte des Wohnens im Gesamtentwurf aufgenommen sind, damit die Besucher es interpretieren und vergleichen können. Ebenso wichtig ist es, dass es eine Verbindung von außen und innen gibt. Bis jetzt haben alle Designer diese Breite und Tiefe geschätzt und auch von sich aus gesucht.

Wie wählen Sie die Designer oder Architekten aus? Und ist die Nominierung auch ein Zeichen für die Branche?
Für eine Nominierung zum Designer von „Das Haus“ ist es essentiell, wenn ein interessantes, breites und aktuelles Portfolio vorliegt. Für die Designer ist es sowohl eine Chance, eine Herausforderung und eine Ehre, und natürlich ist es für die Branche ein Signal. Denn die Nominierung ist sowohl ein Statement als auch eine Prognose: Dieser hoch-talentierte Designer hat bereits Bedeutung, und sie wird noch wachsen! Für die Veranstaltung ist es wichtig, dass jede Edition von „Das Haus“ wieder neu überraschen kann, dass sie einen Kontrast zur Vorgänger-Version bildet und damit Profis und Endverbraucher aufs Neue zu inspirieren vermag. Wir suchen Persönlichkeiten, die einen unterschiedlichen Blick auf das Thema Wohnen zeigen. Die Designer der ersten drei Editionen kamen aus London, Italien und Skandinavien, aus Regionen also, die derzeit einen starken Beitrag zur kreativen Entwicklung der Einrichtungswelt leisten. Dann haben wir über die Grenzen Europas geblickt und schließlich die beiden Architekten aus China ausgewählt. Für die fünfte Ausgabe schien es uns richtig, dass sich mit Sebastian Herkner auch einmal ein Talent aus Deutschland beweisen kann.

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Warum er? Was schätzen Sie an Sebastian Herkner?
In dem Kreis von international erfolgreichen, „upcoming” deutschen Designern ist Sebastian Herkner uns schon früher aufgefallen. Als einer der Teilnehmer des Nachwuchswettbewerbs der imm cologne Pure Talents Contest in den Jahren 2008 und 2010, der damals noch D3 Award hieß, hat er sich weiterentwickelt und mit vielen renommierten Firmen eine sehr breite Produktpalette realisiert. Er hat uns sowohl mit seinen Entwürfen für Möbel, Accessoires und Leuchten als auch mit seinen Ausstellungskonzepten überzeugt. Besonders sein Interesse an der Materialität und an lokalen, traditionellen Produktionsweisen spricht uns an. Wir freuen uns auf seine sicherlich sehr originelle Vision für das immer aktuelle und attraktive Thema Wohnen.

Nun wird „Das Haus“ 2016 ja rund! Sie sind ja auch für die Gestaltung der Halle verantwortlich – ist die runde Form denn wirklich messetauglich? Runde Messestände sind ja eher eine Seltenheit …
Wichtig für „Das Haus“ wie auch für die Halle ist doch vor allem der Kontrast zwischen den beiden: ein Beispiel von visionärem, ganzheitlichem Design in Form eines kompletten Hauses zentral in der neuen, reduzierten Architektur des Pure Editions-Formats „Platforms“ mit den dort präsenten hochkarätigen Marken! Das geht mit einem runden Pavillon wahrscheinlich sogar noch besser als mit einem rechteckigen. Neuartig und spannend ist es unbedingt!

Könnten Sie sich vorstellen, dass „Das Haus“ auch mal an einem anderen Standort aufgebaut wird?
Ich habe schon seit einiger Zeit den Traum, dass „Das Haus“ auch auf anderen Kontinenten aufgebaut und gezeigt wird. Eigentlich ist es doch schade, wenn die Ergebnisse von so viel Kreativität und dem Einsatz von Energie und erheblichen Mitteln nur ein einziges Mal, nur eine kurze Woche lang auf einer Veranstaltung gezeigt werden. Deshalb wird nach Partnern für „Das Haus“ gesucht, um es international noch einmal präsentieren zu können – etwa in den USA. Vielleicht erreichen wir das ja sogar schon mit dem Haus von Sebastian Herkner. Das wäre ein neuer Meilenstein!

Fotos:
Guido Schiefer
Lutz Sternstein

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