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80 Jahre Artek

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Im Oktober 1935 beschlossen das Architekten- und Designerpaar Alvar und Aino Aalto, die Kunstmäzenin Maire Gullichsen sowie der Kunsthistoriker und Kritiker Nils-Gustav Hahl in Helsinki Artek zu gründen. Der unmittelbare Anlass zu diesem Schritt war der Wunsch, den internationalen Vertrieb der Möbel von Alvar und Aino Aalto auf eine zu professionalisieren. Das Möbelgeschäft aber verband sich mit einer kulturellen Mission, die über das rein Kommerzielle weit hinausging. Die Gründer schufen mit Artek auch eine Plattform für moderne Kunst, Industrie, Inneneinrichtung und Propaganda. Der Zweck des Unternehmens war es, so definierten sie, „Möbel zu vertreiben sowie durch Ausstellungen und andere Formen der Vermittlung eine moderne Lebenskultur zu fördern“.

Die Gründung von Artek steht im Kontext der noch jungen Bewegung der internationalen Moderne in Kunst, Design und Architektur. Sie reflektiert deren Ideen und Ideale. Der Name Artek sollte dabei als programmatisches Bekenntnis verstanden werden. Denn die Verschmelzung von Kunst und Technologie, die im Design der Aaltos beispielhaft eingelöst wurde, zählte auch außerhalb Finnlands zu den zentralen Zielen der Moderne.

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Für die Gründergeneration war Artek von Anfang an ein Vehikel, um in einen vielschichtigen Dialog mit der internationalen Avantgarde zu treten und den kulturellen Austausch mit der Welt zu intensivieren. Die Mission, die Artek dabei zu erfüllen hatte, war eine Doppelte: Während das Unternehmen in Finnland auf vielen Ebenen als Botschafter und Propagandist von Design und Kunst wirkte, bestand die Aufgabe im Ausland vor allem darin, die im Werk der Aaltos verkörperte nordische Variante der Moderne bekannt zu machen und den Export ihrer Möbel anzukurbeln.

Bereits in den Jahren um 1930 hatte Alvar Aalto damit begonnen, das traditionelle Möbelmaterial Holz für eine Gestaltung im Sinne der Moderne zu nutzen. Der Rückgriff auf diesen natürlichen Rohstoff lag in einem damals noch wenig industrialisierten, aber waldreichen Land wie Finnland nahe. Funktionale Vorteile, wie etwa die angenehme Haptik des Holzes und seine warme Ausstrahlung, kamen hinzu. Durch Experimente und in enger Zusammenarbeit mit versierten Handwerkern gelang ihm eine Reihe von technischen Innovationen, die die Basis für epochale Entwürfen bildeten. Wie etwa die Hocker mit L-förmig gebogenen Beinen, die Schichtholz-Freischwinger oder den Paimio-Sessel mit seinem federnden Sperrholz-Sitz – allesamt Ikonen der Designgeschichte.

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Mit Artek entwickelten Alvar und Aino Aalto im Lauf der Zeit eine umfangreiche Kollektion von Möbeln und Leuchten, mit der sich praktisch sämtliche Einrichtungsbedürfnisse erfüllen ließen – im privatem, wie im öffentlichen Bereich. Ganz im Geist der Moderne konzipierten sie diese Möbel nicht als extravagante Einzelstücke, sondern als funktionale Standard-Lösungen für die Serienproduktion. Und wo immer es sich anbot, dachten sie in Systemen. Das erstmals beim Hocker eingesetzte L-förmige Bein lässt sich beispielsweise auch für andere Sitzmöbel und für Tischuntergestelle nutzten.

Über Jahrzehnte hinweg hat Artek die Wohn-, Lebens- und Alltagskultur Finnlands mitgeprägt. Das Unternehmen ist dadurch selbst Teil der modernen finnischen Identität geworden. Produkte aus dem Haus Artek, die noch immer weitgehend in Finnland selbst hergestellt werden, fanden und finden hier eine entsprechend weite Verbreitung. Sie sind in zahlreichen öffentlichen Gebäuden ebenso anzutreffen, wie in zahllosen privaten Haushalten. Als Importeur von Produkten internationaler Design-Marken hat Artek auch schon früh begonnen, die Welt nach Finnland zu bringen.

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Seit seiner Gründung hat Artek Höhen und Tiefen erlebt, sich gewandelt und dabei immer wieder seine Anpassungsfähigkeit an sich verändernde Rahmenbedingungen unter Beweis gestellt. Das zeigt sich in der Entwicklung der Kollektion, die im Laufe der Jahre eine dezidiert zeitgenössische Erweiterung und Öffnung erfuhr. Die Möbel, Leuchten und Objekte von Alvar und Aino Aalto bilden, mittlerweile längst zu Klassikern avanciert, den Kern der Artek-Kollektion. Entwürfe von nordischen Designern wie Ilmari Tapiovaara, Tapio Wirkkala, Eero Aarnio und Yrjö Kukkapuro ergänzen mittlerweile das Programm. In der jüngeren Vergangenheit kam es zu einer verstärkten Zusammenarbeit mit internationalen Architekten, Designern und Künstlern, die in ihrer gestalterischen Haltung, in ihrer Formensprache und in ihrem intelligenten Umgang mit Technologien der Philosophie von Artek nahe stehen – wie etwa mit Shigeru Ban, Enzo Mari, Tobias Rehberger, Konstantin Grcic, Hella Jongerius oder jüngst mit Ronan und Erwan Bouroullec. 80 Jahre nach der Firmengründung und im Sinne der Gründergeneration führt Artek die Entwicklung von neuen Wegen an der Schnittstelle von Design, Kunst und Architektur fort.

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Weitere Informationen:
www.artek.fi

Alle Fotos: Artek
Artek Manifest, 1935
Artek Factory, 1936 (Foto: Mannelin)
National Pension Institute, 1956
Vyborg Municipal Library 1935
Villa Mairea interior, 1938/39

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