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Frankreich trifft Finnland: Artek präsentiert die Kaari Kollektion der Bouroullec-Brüder

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Es ist die erste Zusammenarbeit zwischen dem französischen Designer-Duo Ronan & Erwan Bouroullec und der finnischen Designfirma Artek. Basierend auf einem einfachen, aber intelligenten Bauteil umfasst die Kollektion Kaari neben rechteckigen und runden Tischen in je zwei Größen einen Schreibtisch, eine Wandkonsole, ein kleines rundes Regal sowie eine Auswahl an großen Wandregalen.

Stühle sind bewegliche Objekte – sie haben Beine, Arme und einen Rücken. Tische hingegen sind Teil der Architektur: statisch, stabil, unbeweglich. Während es hunderte unvergessliche Stühle gibt, schreiben nur wenige Tische Designgeschichte. Ebenso haben sich seit Mitte des letzten Jahrhunderts die Materialien, die für Tische sinnvoll eingesetzt werden, kaum verändert.

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Doch ist der Tisch wirklich ein so einfaches Wesen? Für ein kleines Kind ist er ein Haus. Seine soziale Funktion ist es in der Regel Menschen zusammenzubringen, aber auch auf Distanz zu halten. Der Tisch ist ein fundamentaler Bestandteil des Hauses, so grundsätzlich, dass die Moderne, die den Stuhl verändert hat und neue Typologien schuf, ihn nur geringfügig veränderte.

Unter diesen Umständen ist es natürlich nicht einfach, einen neuen sinnvollen und unverwechselbaren Tisch, oder gar ein Tischsystem, zu entwickeln. Das aber streben Ronan und Erwan Bouroullec mit dem System Kaari (Finnisch für „Bogen“) für Artek an.

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Die Aufgabenstellung war, ein Produkt zu schaffen, das zu Artek passt und gleichzeitig neu ist, also keine direkten Anleihen bei den historischen Artek-Produkten nimmt. Das Brüderpaar entwickelte eine Reihe von Ideen. Ein Vorschlag fiel schon bei der ersten Präsentation auf: ein neuartiges Tischbein bzw. ein Systemansatz für Beine, die ganz unterschiedliche Tische stützen könnten: kleine und große, runde und rechteckige, niedrige und hohe. Bald stellte sich heraus, dass mit dem gleichen Systemansatz auch wandorientierte Gestelle wie Konsolen und Regale konstruiert werden können.

Das Prinzip ist sehr einfach: Die vertikalen Kräfte werden von einem Bauteil aus Holz aufgenommen. Der Einsatz eines gebogenen Stahlbands erlaubt eine elegante, transparente Diagonalabstützung. Das Wechselspiel von massivem vertikalem Brett und dem Metallband gibt dem Fuß eine überraschende visuelle Leichtigkeit und verhilft ihm zu einer unverwechselbaren, grafischen Silhouette.

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Bei Holz und Stahlband handelt es sich um traditionelle Materialien, die in der Tradition von Artek verankert sind, in dieser Weise aber noch nie kombiniert wurden. Mit Linoleum und glänzendem HPL wurden Oberflächen gewählt, die auf sehr unterschiedliche Art Licht aufnehmen bzw. reflektieren und sich im Laufe der Nutzung verändern und Patina ansetzen werden.

Neben der Materialwahl liegt auch der Systemcharakter in der Artek-Tradition. Bereits Aalto stützte mit dem L-leg unterschiedliche Tische, Stühle, Hocker und Behälter. Die Bouroullecs setzen bei ihren Stützen auf die Verbindung von Massivholz und einem Stahlband ein. Das gleiche Prinzip wird bei der Gestaltung von wandangebundenen Tischen und Gestellen angewandt. Trotz dieser Anlehnung an Arteks Traditionen ist mit Kaari ein Produkt entstanden, das sich formal von den klassischen Artek-Entwürfen absetzt und eine eigene Sprache gefunden hat.

Weitere Informationen:
www.artek.fi

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