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Interview mit Simon Legald: „Ich habe Hunderte von Stuhldesigns aus verschiedenen Jahrzehnten analysiert.“

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Für Normann Copenhagen hat der dänische Designer Simon Legald, geboren 1986, Form entworfen – eine Serie innovativer Tische und Stühle. Wir haben mit dem Designer über den Entwurf und seine Inspirationsquelle gesprochen und ihn gefragt, ob Form seiner Ansicht nach ein neuer Klassiker wird.

Was hat Sie zur Serie Form inspiriert?
Ich wollte schon immer einen Stuhl entwerfen, der ein integriertes Ganzes darstellt. Ein Stuhl, bei dem selbst die kleinsten Details durchdacht sind. Aus einem funktionalen Blickwinkel betrachtet, sind die Entwurfsmöglichkeiten bei einem Stuhl begrenzt. Er muss Beine haben, eine Sitzfläche und eine Rückenlehne. Beim Design von Form war es mir wichtig, mit der Integration von Rahmen und Schale zu arbeiten, und wie sich dies am elegantesten lösen ließ. Ich habe Hunderte von Stuhldesigns aus verschiedenen Jahrzehnten analysiert. Ich habe mir angesehen, welche Aspekte überdacht und optimiert werden können. Alles begann mit einer Idee für einen Stuhl, entwickelte sich aber recht schnell zu einer Möbelserie.

An der Königlich-Dänischen Kunstakademie haben Sie für Ihre Diplomarbeit „Form“ hervorragende Noten erhalten. Können Sie uns mehr darüber sagen?
Bei meiner Diplomarbeit habe ich die Version mit den Armlehnen vorgestellt. Ich hatte bereits seit mehreren Jahren Skizzen für den Stuhl entworfen, als ich meine Diplomarbeit in Angriff nahm. Also habe ich mich entschlossen, das Projekt „Form“ als Thema zu wählen und habe sechs Monate lang intensiv an dem Design gearbeitet. Die ursprünglichen Zeichnungen der Schale haben sich seit den Anfängen stark weiterentwickelt. So sind zum Beispiel die Ausrichtungen und Linien der Kurven jetzt viel natürlicher. Aber das Gesamtkonzept des Stuhles ist unverändert geblieben.

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Was ist Ihrer Ansicht nach einzigartig an der Serie Form?
Ich habe für die Montage von Basis und Schale ein neues Konstruktionsprinzip entwickelt. Es besteht aus vier gegossenen Kunststoffverbindungen. Das Besondere ist, dass der Stuhl an verschiedene Gestelltypen, zum Beispiel an Drehgestelle oder solche aus Holz oder Stahl, mit der jeweils gleichen integrierten Verbindung angepasst werden kann, ohne dass dies am Stuhl erkennbar wäre. Andere Schalenstühle bieten ebenfalls die Möglichkeit, mehrere Gestelle zu montieren, aber wenn man unter die meisten Stühle blickt, sieht man, dass Lochbohrungen für die unterschiedlichen Gestelltypen erforderlich sind. Ich finde das bedauerlich, denn für mich liegt gutes Design in den Details. Deshalb war mein Ziel nicht nur, einen Stuhl zu entwerfen, sondern die Montage auf allen möglichen Rahmen vorherzusehen und deren Verwendung zu ermöglichen.

Ein weiteres wichtiges Detail ist die unterschiedliche Stärke des Schalenmaterials. Ich habe an der Oberseite der Rückenlehne eine kleine Kurve eingearbeitet, damit sich der Stuhl leichter vom Tisch herausziehen lässt. Mir gefällt auch, dass die Serie sowohl Stühle als auch Tische umfasst. So kann ich meine Vision, ein einheitliches Ganzes zu schaffen, vervollständigen. Obwohl die Form-Stühle, Form-Barhocker und Form-Tische unterschiedlich sind, haben sie eine gemeinsame Design-DNS. Ich habe zum Beispiel bei der Montage von Tischoberteil und Beinen ein ähnliches Prinzip eingesetzt wie bei den Stühlen.

Ich habe lange an dem Projekt gearbeitet und die Serie ist sorgfältig ausgearbeitet, was sich in den Details widerspiegelt. Das Endergebnis ist genau so geworden, wie ich es mir vorgestellt hatte. Sie liegt mir also ganz besonders am Herzen. Die Form-Serie hat mit der Idee für einen Stuhl begonnen und sich in ein Designkonzept entwickelt, das an viele Rahmen, Farben und dementsprechend Funktionen angepasst werden kann. Deshalb ist es nicht nur ein Stuhl, sondern viele Stühle (und Tische) in einem.

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Was bedeutet das Konzept der Form für Sie?
Für mich ist Form die Essenz von Design. Die Form macht es möglich, ein Produkt wiederzuerkennen und sie unterscheidet es von anderen Designs. Die Form ist das erste, was man erblickt; die Funktion erlebt man erst später. Durch die Form kann ein Designer einem Möbelstück oder einem Produkt seinen persönlichen Stempel aufdrücken.

In den letzten Jahren hat sich in der dänischen Designszene sehr viel getan. Was bedeutet dänisches Design für Sie und wie spiegelt es sich in der Serie „Form“ wider?
Dänisches Design ist durch Minimalismus, Funktionalität und Traditionen geprägt. Ich denke nicht zu sehr über das Konzept „dänisches Design“ nach, wenn ich mit einem neuen Projekt beginne. Aber wie die meisten Menschen, bin auch ich eine Projektion meiner Umgebung. Deshalb ist es für mich ganz normal, meiner eigenen Geschichte nachzugehen. Ich integriere deshalb häufig Elemente der dänischen Designsprache in meine Entwürfe. In dieser Hinsicht findet sich in der Serie „Form“ auch Respekt vor dänischen Design- und Handwerkstraditionen.

Weitere Informationen:
simonlegald.com
www.normann-copenhagen.com
Fotos: Jeppe Sørensen; Normann Copenhagen

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