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Space Saving Design: Viele Ideen für wenig Raum

Wenn sich Wohnbedürfnisse verändern und Wohnraum schrumpft, sind intelligente Wohnkonzepte und multifunktionale Möbel gefragt, die neue Wohnzonen schaffen und vielfachen Nutzen bieten.

Ob im Privatleben oder im Beruf: Bindungen werden lockerer, Arbeit und soziale Kontakte verlagern sich in virtuelle Räume, die Mobilität nimmt zu. Wir leben heute hier, aber morgen schon auf einem anderen Kontinent, um uns übermorgen nach einer ganz anderen Bleibe umzusehen. Der moderne Mensch, konstatiert FAZ-Autorin Melanie Mühe, ist ein „Drifter“, der gedanklich auf gepackten Koffern sitzt und sein Zuhause weniger als Lebensmittelpunkt denn als Zwischenlager betrachtet. Flexibilität wird wichtiger als Gemütlichkeit. Damit hat die Schrankwand ausgedient; stattdessen beleben versenkbare Lösungen, multifunktionale Möbel und leichte Regalsysteme das Wohnzimmer. Variable Raumteiler schaffen neue Wohnzonen für individuelle Bedürfnisse.

Conceptual Living: Wände machen mobil

„Conceptual Living“ – die Auflösung starrer Raumstrukturen in flexibel veränderbare Raumzonen hat auch das Kelkheimer Zukunftsinstitut in seiner aktuellen Studie zur „Zukunft des Wohnens“ als einen zentralen Wohntrend des 21. Jahrhundert ausgemacht. Konsequent verfolgt der amerikanische Architekt Kent Larson, Leiter der „Changing Places Group“ des Massachusetts Institute of Technology (MIT), diese Idee. In seinem Vortrag „Brillant designs to fit more people in every city“ zeigt er, wie Apartments in konventionellen Gebäuden dank motorbetriebener Wände, die auf Knopfdruck ihre Position verändern, von den Bewohnern so gestaltet werden können, dass sie fast alle Wohnbedürfnisse erfüllen. So verwandelt sich der Wohnraum wahlweise in ein Gästezimmer, einen großen Speiseraum oder in ein Fitnessstudio.

Was bei Larson noch Konzept ist, hat der Hongkonger Architekt Gary Lang bereits umgesetzt: Wie er einen Wohn- und Schlafraum, Küche, Bad, Büro, Bibliothek, Gästezimmer und Medienraum auf 32 Quadratmetern untergebracht hat, ist bei Architektur & Wohnen zu sehen. Möglich machen es flexible Wände und Einbauten, die sich mittels Rollen am Boden und Schienen an der Decke zu immer neuen Varianten verschieben lassen. Auf den ersten Blick lässt sich kaum unterscheiden, was Wand und was Möbel ist.

Platz sparen mit multifunktionalen Möbeln

Maximales Wohnen auf kleinem Raum zu realisieren, beschäftigt nicht nur Architekten. Auch Möbeldesigner entwickeln intelligente, platzsparende Konzepte. Regale, aus denen mit einem Dreh ein Bett herauskommt, sind dabei noch eher konventionelle Lösungen. Dennoch: Sie sparen Platz und bieten Raum für Veränderungen – wie eine moderne Variante des bekannten Murphy Betts zeigt, die bei godownsize zu sehen ist.

Weiter geht der Berliner Ingenieur und Designer Rainer Graff. Er hat eine Lounge-Landschaft entwickelt, die sich komplett zusammenfalten lässt. Zu sehen bei Minimalisti.

Einen besonders vielseitigen Tisch hat der dänische Designer Sigurd Larsen kreiert. Sein Compact Café Table ist ganze 55 Zentimeter tief. Wenn man nicht gerade seinen Kaffee daran genießt, kann man ihn als Konsole an die Wand schieben und auch noch die dazugehörige Bank und die Stühle darunter verstauen. Besonders praktisch: Larsens Café Table lässt sich drinnen und draußen nutzen – perfekt für kleine Gärten. Gesehen bei STYL.IN.

Noch konsequenter lässt Orla Reynolds Tisch und Stühle verschwinden: Sie versenkt sie komplett in einem Regal – und für Bücher ist darin auch noch Platz. „As If From Nowhere“, heißt ihr bunt-minimalistisches Multifunktionsmöbel. Gesichtet auf Cabinet Space. Dort wird auch der faltbare Stuhl „Leaf Chair“ des New Yorker Designers Alexander Gendell vorgestellt. Der ungewöhnliche Stuhl mit einem Rahmen aus Aluminium-Verbundmaterial und einem robusten Netz-Sitz wird mit einem Handgriff zusammengefaltet und ist dann gerade mal knapp 2 Zentimeter dick.

Viele platzsparende Ideen stammen von asiatischen Designern, bei denen „Space Saving Design“ eine große Tradition hat. Eine ungewöhnliche Idee hatte der Koreaner Seung-Yong Song. Er hat seine Stühle mit Regalen (Objekt A) und Wäscheständern (Objekt E) überdacht; zu sehen auf hirnverbrandt.

Für alle, die viel unterwegs sind, haben Sebastian Mühlhäuser und Marcel Krings, Absolventen der Köln International School of Design, bereits 2008 ihre Casulo Magix Box entwickelt. Damit bieten sie Multifunktionsmöbel, die ohne große Umstände überall mit hingenommen werden können. In einer Box mit dem Grundmaß einer Euro-Palette verbirgt sich zum Beispiel eine komplette Zimmereinrichtung, die sich in Minutenschnelle ohne Werkzeug auf- und abbauen lässt.

P.S. Faltbare Möbel und Betten, die aus Schränken und Wänden herausklappen, sind übrigens keine neue Erfindung: Solche Konzepte gibt es seit der Frühzeit des Möbeldesigns. Der britische Designer Lloyd Alter zeigt in seinem Blog sogar eine Piano-Couch-und-Büro-Kombination, für die ein gewisser Charles Hess aus Cincinnati 1866 ein Patent erhielt.