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Matthias Pinkert: „Ich möchte der Menschheit etwas Bleibendes hinterlassen.“

Foto_Pinkert_AufmacherFoto: dreipuls

Seine gestalterische Laufbahn begann Matthias Pinkert 1992 als Tischler bei den Deutschen Werkstätten Hellerau in Dresden. Dort entwickelte er im weiteren Berufsverlauf ein Gespür für Design, verbunden mit den Bedürfnissen der Menschen. Die Fortbildung zum Gestalter im Handwerk und das nachfolgende Studium Produktgestaltung an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden erlaubten ihm den Wechsel auf die andere Seite des Produktentstehungsprozesses und damit den Blick über den Tellerrand. Als Geschäftsführer und Designer der dreipuls GmbH folgt Pinkert nicht zuletzt mit Risikobereitschaft und Spaß seiner inneren Berufung.

Sie haben für Ihre viel beachtete Schreibtischleuchte Rima ein neues Lichtkonzept entwickelt. Worin unterscheidet sich dieses von anderen Lichtkonzepten?
Unser Lichtkonzept bezieht ganz bewusst und auf neue Art und Weise den Menschen in die Bedienung des Produktes ein. Es unterscheidet sich somit durch die Interaktion zwischen Mensch und Produkt von anderen Lichtkonzepten.

Was hat Sie zu diesem Ansatz inspiriert?
Ein Vorhang. Durch das Öffnen und Schließen beobachtete ich damals die Veränderung der Lichtsituation im Raum, die durch mich bewusst und aktiv beeinflusst wurde. Aus der Übertragung dieser Metapher auf eine Leuchte wurde letztlich etwas Größeres, etwas Neues. Ein neues Lichtkonzept.

Was bedeutet intuitiv im Kontext Ihres Lichtkonzeptes?
Intuition bedeutet, dass der Nutzer sich nicht mit komplizierten Sachverhalten auseinandersetzen oder lange Bedienungsanleitungen lesen muss. Der Nutzer soll Produkte spielerisch entdecken und für sich brauchbar machen – und zwar mit für ihn bekannten Bewegungen oder Gesten. Für die Gestaltung unserer Leuchten ist es daher äußerst bedeutsam, in Analogien und Metaphern zu denken.

Den meisten Neuentwicklungen geht die Erkenntnis voraus, dass ein nicht gestilltes Bedürfnis oder ein Mangel am Markt vorliegt. War das in Ihrem Fall auch so?
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zu Beginn nicht an ein Bedürfnis gedacht habe, dass auf dem Markt befriedigt werden müsse. Vielmehr ging es mir darum, unsere immer komplexer werdende Umwelt wieder etwas weniger komplex werden zu lassen. Also Produkte, mit denen wir interagieren erlebbarer, intuitiver und so einfach wie möglich zu gestalten. Jeder Mensch sehnt sich nach einfachen Prozessen, die er überschauen kann. Viele Hersteller gehen den Weg, soviel wie möglich anzubieten. Damit wird aber ein System zu komplex und zu unüberschaubar. Wenn man so will, war dies der Mangel, den ich auch in vielen anderen Produktbereichen spürte und mit unserer Neuentwicklung stillen wollte.

Dass Rima und Arena keine Standard-Leuchten sind, fällt spätestens dann auf, wenn man vergeblich nach dem Schalter sucht. Für welche Art von Mensch haben Sie diese Leuchten entworfen?
Für Menschen, die offen für Neues sind und für diejenigen, die kindlich fasziniert von eigenen Entdeckungen mit wachem Geist durch die Welt gehen.

Beschreiben Sie uns kurz den Entwicklungsprozess.
Alles beginnt zunächst mit der Erstellung des Entwurfs durch Dreipuls. Schon in dieser frühen Phase werden unsere Partner mit zurate gezogen, um die geeignete Gestaltung zu finden. Dann folgt die Umsetzungsphase. Wobei diese sich in den mechanischen und den elektrotechnischen Teil aufgliedert. Der Entwurf wird in der Mechanik und in der Elektronik konstruiert und endet mechanisch in Konstruktionszeichnungen und elektrotechnisch in Layout, Software und Bauteilauswahl. In dieser Phase wählen wir qualitativ hochwertigste Bauteile und die dafür geeigneten Lieferanten aus. Anschließend entstehen eine Reihe von Prototypen, um Funktion und Qualität vorab prüfen zu können. Vor der eigentlichen Serienfertigung produzieren wir eine Nullserie, die für die Zertifizierung der Produkte und für Messeauftritte gedacht ist.

Sehen Sie sich in der Rolle als Innovationsführer im Bereich LED-Technologie?
Ich sehe uns nicht als Innovationsführer im Bereich der LED Technologie, sondern vielmehr als Pionier in der Anwendung dieser Technologie für einzigartige Leuchten mit intuitiver Bedienung. Dies haben mir die zahlreichen, erstaunten Gesichter auf unseren Messeauftritten gezeigt.

Sie kommen aus Dresden, einer Stadt, die weltweit mit ihrer barocken Architektur kokettiert. Wie werden Sie vor Ort wahrgenommen?
In Dresden vermischt sich das Alte mit dem Modernen. Außerdem bietet Dresden neben seinem Ruf als Kulturstadt auch den Standort für neue Technologien. So sitzen wir direkt neben den Forschungsinstituten für OLED Technologie. Da passt Dreipuls genau dazu. Seitdem ich die erste Idee zu Rima hatte, haben wir hier viel Zuspruch, Unterstützung und Anerkennung erfahren. Dafür möchten wir unseren Unterstützern und allen Institutionen danken.

Im Vergleich zu renommierten Designern wie Ingo Maurer, Tobias Grau und Axel Meise ist dreipuls eine vergleichsweise junge und noch unbekannte Marke. Wie werden Sie sich am Markt positionieren?
Wir schauen auf zu den genannten deutschen Designern, ihre Leuchtendesigns begeistern uns. Mit unserem Ansatz rücken wir für die Entwicklung neuer Leuchten jedoch die Interaktion zwischen Mensch und Leuchte in den Mittelpunkt der Gestaltung. Das von uns entwickelte Verfahren zur Lichtsteuerung hebt sich dabei deutlich von den bisherigen Produkten am Markt hab. Hier sehen wir unsere starke Marktposition.

Was dürfen wir in Zukunft von Ihrem Unternehmen erwarten?
Überraschungen! Begeisterung! Innovationen! Eben neue Impulse.

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