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Der Kunde als Gestalter – die Möbelbranche und der Trend zur Individualisierung

Ein Stuhl mit Herz? Dank der neuen Möglichkeiten der Individualisierung ist das kein Problem.
Ein Stuhl mit Herz? Dank der neuen Möglichkeiten der Individualisierung ist das kein Problem. (Foto: Modu Chair)

Ein Stuhl ist ein Stuhl. Diese einfache Weisheit ist durchaus einleuchtend. Jedoch erstaunt es, dass ein Gegenstand wie ein Stuhl immer wieder neu erfunden wird. Einer der Gründe sind sich wandelnde ästhetische Bedürfnisse. Besonders aus Sicht der Designer sind weitere Faktoren relevant, wie z.B. neue Herstellungstechniken und nicht zuletzt neue Design- und Produktionskonzepte. Dies lässt sich heute auch im Trend zur Individualisierung von Produkten erkennen.

In der Möbelbranche haben sich vor allem kleine Unternehmen diesem Nischenmarkt gewidmet. Hersteller wie Werkhaus bieten etwa an, Hocker mit Photos zu bedrucken oder Massivkonzept Regale nach eigenen Maßen und Wünschen zu fertigen. Eine neue Idee ist es, Möbel anzubieten, die vom Kunden selbst und aktiv gestaltet werden. Philipp Strigel gründete dieses Jahr Modu Chair und hat es sich zur Aufgabe gemacht dieses Stilprinzip zu verbreiten. „Wer einen Stuhl selbst bemalt, verziert oder einfach nur mit Öl behandelt hat ein ganz anderes Verhältnis zu diesem Gegenstand, als wenn man ihn fertig kauft“, so der Designer aus Berlin.

Selbst Hand anlegen, oder wie Strigel es nennt „Self-Customizing“, ist beim Modu Chair gewünscht, aber nicht unbedingt notwendig. Der Kunde hat als Gestalter, die Möglichkeit seiner Phantasie bei der optischen Bearbeitung freien Lauf zu lassen. „Wir sprechen damit Menschen an, die keinen Stuhl bauen wollen oder können, die aber Lust darauf haben ihre Kreativität an einem Gegenstand auszuleben. Der positive Effekt davon ist, dass sie im Nachhinein darauf angesprochen werden und Anerkennung erfahren.“

Modu Chair ist zunächst aus dem Gedanken entstanden, einen möglichst einfachen Stuhl aus einer ebenen Holzplatte zu schneiden. Mit einem Wasserstrahl von über 5000 bar wird das Holz geschnitten, was ungefähr der dreifachen Schallgeschwindigkeit entspricht. „Anfangs hatte ich die Befürchtung, dass das Holz sich verzieht. Da es sich jedoch um vielschichtige, kreuzverleimte Multiplexplatten handelt, ist dies nicht aufgetreten. Durch den Kontakt mit dem Wasser wird nur die Oberfläche etwas rau, was dann geschliffen werden muss.“

Ein Geschäftskonzept, das nur auf einem Produkt beruht, ist dem Designer und Unternehmer zu wenig: „Neben diesem Stuhl wird es bald weitere Möbelstücke geben. Derzeit geht es mir hauptsächlich darum bekannt zu machen, dass es die Möglichkeit gibt, sich sein eigenes Unikat zu kreieren.“ Die ersten Erfolge lassen sich bereits vorweisen: In der Galerie der Website sind schon einige Beispiele zu sehen, was aus den Stühlen gemacht wurde.