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Trends im Eigenheimbau: Bauherren als Energieversorger

Sonne und Wind schicken keine Rechnung. Mit einem Plus-Energie-Haus in Fertigbauweise werden Bauherren zu Energieversorgern. (Bild: BDF/Sebastian Bahr)
Ein Haus, das mehr Energie erzeugt, als seine Bewohner verbrauchen: Diese Idee ist der neueste Trend im Eigenheimbau. Angesichts hoher Kosten für Heizung und Strom wird es für immer mehr Bauherren interessant, sich von den großen Versorgungsunternehmen unabhängig zu machen und den eigenen Energiebedarf selbst zu decken. Auch für die Umwelt ist es gut, wenn Häuser zu Kraftwerken werden: Strom und Wärme werden aus garantiert regenerativen Energiequellen erzeugt und verursachen keine klimaschädlichen Emissionen.

Eine wirtschaftliche Lösung, diesen Traum zu verwirklichen, heißt Plus-Energie-Haus. Solche Gebäude weisen laut Definition des Bundesbauministeriums sowohl einen negativen Jahres-Primärenergiebedarf als auch einen negativen Jahres-Endenergiebedarf auf. „Das heißt: Wer ein Plus-Energie-Haus baut, ist nicht länger Energieverbraucher, sondern wird zum Energieerzeuger“, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Fertigbau (BDF), Dirk-Uwe Klaas. Plus-Energie-Häuser werden bereits als Fertighäuser in Holzbauweise angeboten und haben dank des natürlichen Baumaterials eine vorbildliche Ökobilanz.

Ziel der Politik: Das klimaneutrale Haus
Wichtige Klimaschutzziele der Bundesregierung sind, den Energieverbrauch von Gebäuden zu senken und zugleich die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen auszubauen. Beides hat Konsequenzen für private Bauherren. Durch eine verschärfte Energieeinsparverordnung steigen die Anforderungen an die Qualität von Neubauten: Ihre Energieverbrauchswerte wurden ab 2009 bereits um 30 Prozent gesenkt und sollen in einer zweiten Stufe ab 2013 nochmals in der gleichen Größenordnung verringert werden.

Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung soll dagegen bis 2020 auf 30 Prozent steigen. Zurzeit beträgt der Anteil des Stroms aus Sonne, Wind und Wasser aber erst 12 Prozent, so dass die Politik den Ausbau dieser Technologien stark fördert. Da ein Großteil des Strom- und Wärmebedarfs auf Gebäude entfällt, können auch private Bauherren und Hauseigentümer von der politischen Zielsetzung profitieren, wenn sie den „grünen“ Strom selbst produzieren.

Gewinn per Gesetz dank „EEG“
Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verpflichtet die deutschen Energieversorger, aus regenerativen Quellen erzeugten Strom zu kaufen. Auch die Höhe der Vergütung legt das Gesetz fest: Sie ist in der Regel viel höher, als der Bezug von Strom im normalen Tarif kostet. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines durchschnittlichen Einfamilienhauses betreibt, erhält zum Beispiel 2012 eine Einspeisevergütung von 24,43 Cent je Kilowattstunde. Die Vergütung wird zwar jährlich gekürzt, doch zugleich werden die Photovoltaik-Module auch immer preisgünstiger. Stromerzeugung wird sich also auch in Zukunft rechnen.

Wer Strom erzeugt und verkauft, macht also Gewinn. Doch auch wer seinen Strom selbst verbraucht, hat Vorteile. Dann wird nämlich zusätzlich eine Selbstverbrauchsvergütung von 12,43 Cent je Kilowattstunde gezahlt, sofern mehr als 30 Prozent des erzeugten Stroms im Gebäude genutzt werden, etwa für den Betrieb der Heiztechnik oder etwa zum Aufladen eines Elektrofahrzeugs. Den Strom selbst hat man dann natürlich gratis.

So kommt das „Plus“ ins Plus-Energie-Haus
Wer ein Plus-Energie-Haus bauen möchte, muss erneuerbare Energiegewinnsysteme einsetzen. Das sind in der Regel Photovoltaikanlagen, die Jahreserträge um die 1.000 Kilowattstunden pro kW Nennleistung bringen. Bei einer 60 Quadratmeter großen Anlage sind bei südlicher Ausrichtung und gutem Wirkungsgrad um die 3.500 Euro Einspeisevergütung pro Jahr drin. Wie viel Strom wirklich eingespeist und damit vergütet werden kann, hängt jedoch von vielen individuellen Faktoren ab, zum Beispiel von der Lage des Hauses und den verwendeten Leitungen.

Wer auf dem Land baut, kann auch eine kleine Windkraftanlage nutzen, die man sogar auf dem Dach montieren kann. Sie rechnet sich, wenn mindestens die Hälfte des Jahresertrags selbst verbraucht wird. Für Wärmegewinne aus Abwärme oder thermischen Solaranlagen kann es ebenfalls Energiegutschriften geben, wenn die Wärme zum Beispiel in ein öffentliches Fernwärmesystem eingespeist wird.

Eine Vergleichsrechnung des Bundesbauministeriums zeigt, dass 42 qm Photovoltaikfläche ausreichend sind, um ein auch ansonsten energieeffizientes Einfamilienhaus mit Luftwärmepumpe und Wohnungslüftung in ein Plus-Energie-Haus zu verwandeln. Diese Dachfläche steht bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus in der Regel zur Verfügung.

Doch diese Rechnung zeigt auch, dass Stromerzeugung allein bei Weitem nicht ausreicht, um den Plus-Energie-Haus Standard zu erfüllen. Eine insgesamt positive Energiebilanz setzt nämlich als ersten Schritt eine hocheffiziente Gebäudehülle voraus, welche die Wärmeverluste auf ein Minimum reduziert. Außerdem gehören fortschrittliche Elektroinstallationen und eine sparsame Haustechnik zum Standard. „Plus-Energie-Häuser in Fertigbauweise erfüllen diese Voraussetzung für energieeffizientes Bauen sozusagen schon ab Werk. Auf dieser Basis können Sonne und Wind zuverlässig das Energieplus ins Haus bringen“, sagt Dirk-Uwe Klaas.